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Die Rummelsberger

27.12.2017

Immer mehr Alleinerziehende von Obdachlosigkeit bedroht

Neues Projekt unterstützt alleinerziehende Mütter und Väter in Nürnberg, die von Wohnungslosigkeit bedroht oder wohnungslos sind

Nürnberg – Die Zahl der Wohnungslosen in Nürnberg hat im vergangenen Jahr erneut zugenommen. Von September 2016 bis September 2017 stieg sie laut dem Sozialamt um acht Prozent. Im Herbst hatten insgesamt 1900 Menschen in Nürnberg keinen festen Wohnsitz. Unter den Obdachlosen und von Wohnungslosigkeit bedrohten Menschen befinden sich zunehmend auch junge, alleinerziehende Mütter und Väter.

Um diesen sogenannten Ein-Eltern-Familien die Wohnungssuche sowie die Integration im neuen Zuhause zu erleichtern, startete die Rummelsberger Diakonie im Dezember das Projekt WinGS. Die Abkürzung steht für „Wegbegleitung in nachbarschaftliche Gemeinschaft und Selbstständigkeit“. „WinGS möchte ein Netzwerk schaffen, das Ein-Eltern-Familien auffängt und stützt“, erklärt Amely Weiß, Projektentwicklerin der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg. Projektkoordinatorin Diakonin Annette Roß wird dafür einen ehrenamtlichen Unterstützerpool aufbauen und sich mit Wohnungsamt, Wohnbaugesellschaften und Genossenschaften sowie mit Maklern und Wohnprojektunternehmen vernetzen.

Auch das Amt für Existenzsicherung und soziale Integration der Stadt Nürnberg macht sich für WinGS stark. Sachgebietsleiter Manfred Kahler von der Abteilung für Wohnungsfragen und Obdachlosigkeit glaubt an einen positiven Impuls durch das Projekt: „Die Stadt Nürnberg arbeitet seit 2014 im Rahmen des Mutter-Kind-Hauses in der Juvenellstraße kooperativ und vertrauensvoll mit der Rummelsberger Diakonie zusammen. Wir gehen davon aus, dass sich das Projekt WinGS ebenfalls an diesem Qualitätsstandard orientieren wird.“

Ehrenamtliche für Begleitung von Alleinerziehenden gesucht

Annette Roß nimmt in einem ersten Schritt die Bedarfe von wohnungssuchenden Alleinerziehenden auf und akquiriert ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für WinGS. „Wir suchen Freiwillige, die die jungen Mütter und Väter bei ihrer Wohnungssuche begleiten und beraten und ihnen anschließend das Einleben in der neuen Umgebung und in die Selbstständigkeit erleichtern“, erklärt Diakonin Roß. Sie schult die Ehrenamtlichen für den Umgang mit den jungen Müttern und Vätern. „Außerdem wird es für Freiwillige und Klienten einen Kurs geben, in dem eine Immobilienfachkraft über Vertragsbedingungen aufklärt, Tipps für das richtige Verhalten bei Wohnungsbesichtigungen gibt und aufzeigt, wie man eine Wohnung finden und halten kann“, erklärt Roß.

Die Mütter und Väter benötigen aber nicht nur bei der Wohnungssuche Unterstützung. Für viele Alleinerziehende ist oft auch die Sozialisierung vor Ort eine Hürde. Sprachbarrieren, Verunsicherung, aber auch Scham über die eigene Situation tragen dazu bei, dass viele der jungen Frauen und Männer nur wenige soziale Kontakte haben. Das Projekt WinGS will deshalb nicht nur bei der Wohnungsfindung helfen, sondern auch beim Ankommen im Stadtteil und bei der Bewältigung des neuen Lebensalltags. In den ersten drei bis maximal sechs Monaten nach dem Umzug erhalten die Alleinerziehenden von Ehrenamtlichen Begleitung im neuen Wohnquartier. Sie suchen gemeinsam einen Kita-Platz für die Kinder, schauen sich die Angebote in den Bereichen ärztliche Versorgung, Sport, Kultur, Freizeit und Beratung an und bauen ein funktionierendes soziales Netzwerk auf.

Fachkräfte begleiten die Ehrenamtlichen

Annette Roß ist zuversichtlich, dass WinGS gelingen kann: „Ich glaube, in Nürnberg gibt es viele Menschen, die das Projekt durch ihre Mitarbeit unterstützen und tragen können.“ Dafür, dass die Ehrenamtlichen nicht überbelastet werden, sorgen die Fachkräfte der Rummelsberger Diakonie: „Wir beraten, schulen und begleiten sie, bis sie sich sicher fühlen. Außerdem schauen wir mit jedem Ehrenamtlichen, was er gut leisten kann und in welchem zeitlichen Aufwand“, versichert Roß. Die 57-Jährige war lange Zeit in den ambulanten Erzieherischen Diensten tätig und zuletzt Teamverbundleiterin der Clearingstelle der Rummelsberger Diakonie. Sie kennt die Nöte von benachteiligten Familien und Migranten, aber auch die Grenzen der ehrenamtlichen Arbeit. „Wenn Unsicherheiten auftreten oder Probleme, können sich die Ehrenamtlichen jederzeit an uns wenden“, so Roß. „Gute Begleitung und achtsamer Umgang ist uns wichtig.“

Wenn auch Sie junge alleinerziehende Mütter und Väter in Nürnberg unterstützen wollen, können Sie sich direkt an Annette Roß wenden, unter der Telefonnummer: 015118445218 oder via E-Mail: Ross.Annette@rummelsberger.net.

Von: Stefanie Dörr

Diakonin Annette Roß, Projektkoordinatorin der Rummelsberger Diakonie, ist Ansprechpartnerin für Ehrenamtliche. Foto: Stefanie Dörr