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Die Rummelsberger

19.06.2017

Gesetz bietet neue Chancen

Bundesteilhabegesetz bestärkt Rummelsberger Diakonie – Ambulante Wohnformen werden ausgebaut und erweitert

Rummelsberg – Das Bundesteilhabegesetz (BTHG) geht aus Sicht der Rummelsberger Diakonie in die richtige Richtung: Der Trend zum eigenständigen Wohnen wird gefördert. Auf ambulante Wohnformen setzt die Rummelsberger Diakonie bereits seit 2004. „Diese sollen künftig noch ausgebaut und erweitert werden“, sagt Thomas Jacoby. Der Diakon leitet eine Projektgruppe, die sich um die Umsetzung des neuen Gesetzes kümmert. Mitarbeitende entwickeln derzeit unter seiner Leitung neue Konzepte zu zentralen Bereichen wie etwa Wohnen, Arbeit und Frühförderung.

Das BTHG soll Menschen mit einer Behinderung mehr Selbstbestimmung und ein modernes Recht auf Teilhabe ermöglichen. Erste Teile sind zum 1. Januar 2017 in Kraft getreten, weitere folgen bis 2023. Das Gesetz regelt die Eingliederungshilfe völlig neu und leitet einen umfassenden Systemwechsel in der Behindertenhilfe ein. Die Finanzierung wird komplett umgestellt. So werden nun die Fachleistungen der Eingliederungshilfe (etwa Assistenz bei alltäglichen Arbeiten, beim Einkaufen und bei der Freizeitgestaltung) von den Leistungen zum Lebensunterhalt (Grundsicherung) unterschieden.

Diese Veränderungen werden sich bei der Rummelsberger Diakonie am weitreichendsten auf die Organisation der Wohnangebote auswirken. „Niemand ist heimbedürftig“, erklärt Diakon Jacoby, „es gibt nur Menschen mit unterschiedlichen Unterstützungsbedarfen.“ Die Rummelsberger Diakonie habe längst erkannt, dass Menschen mit einer Behinderung sich andere Wohnformen wünschen. Deshalb wurden die Angebote im Ambulant unterstützten Wohnen ausgebaut. Die Klienten wohnen dann in einer eigenen Wohnung oder Wohngemeinschaft und werden von Mitarbeitenden zu Hause betreut.

Das BTHG fördert ausdrücklich das eigenständige Wohnen. „Künftig müssen wir den Bewohnern der Wohnheime eine Rechnung über die Miete schreiben“, nennt Diakon Jacoby ein Beispiel. Da sei der Schritt, in einer eigenen Wohnung zu leben, kein großer mehr.

Das neue Gesetz reformiert auch den Bereich Arbeit. Menschen mit einer Behinderung sollen künftig mehr Arbeitsstellen außerhalb der Werkstätten für behinderte Menschen (WfbM) angeboten werden. Auch in diesem Bereich sieht sich die Rummelsberger Diakonie in ihrer bisherigen Linie bestätigt. Sie betreibt beispielsweise seit einigen Jahren das Hotel Anders und den Integrationsbetrieb Panini. Dort arbeiten Menschen mit und ohne Behinderung im Team zusammen. „Wir sammeln gerade Ideen, wie wir unsere Angebote im Bereich Wohnen und Arbeit ausbauen und neue schaffen können“, sagt Diakon Volker Deeg, Mitglied der Geschäftsleitung der Rummelsberger Dienste für Menschen mit Behinderung. Denkbar seien auch Kooperationen mit Unternehmen in der Region.

Obwohl das Gesetz viele Umstellungen nach sich zieht, sehen Deeg und Jacoby es als Chance, die es zu nutzen gilt. „Ich kann mich erinnern, als wir in den 90er-Jahren vom Kostendeckungsprinzip auf fest vereinbarte Tagessätze umgestellt haben“, sagt Diakon Jacoby. „Da schlugen die Wogen auch hoch. Auf einmal konnte nicht mehr am Jahresende nochmal Geld beim Kostenträger nachgeordert werden, wenn’s mal wieder nicht gereicht hatte.“ Aber inzwischen habe sich herausgestellt, dass man mit den vereinbarten Pflegesätzen sehr wohl kalkulieren könne, wenn man ordentlich haushalte. Thomas Jacoby ist sich sicher, dass das eigenständige Wohnen die Zukunft ist. „In zehn Jahren wundern sich die Leute vielleicht, warum einmal so viele Menschen mit Behinderung in Heimen gelebt haben.“

Von: Heike Reinhold

Die Rummelsberger Diakonie will ambulante Wohnformen für Menschen mit einer Behinderung weiter ausbauen. Foto: Simon Malik