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Die Rummelsberger

19.05.2017

Wenn die Vergangenheit zur Gegenwart wird

Rund 140 Besucher informierten sich beim Fachtag „Update Altenpflege“ auf der Wülzburg unter anderem über kriegstraumatisierte alte Menschen in Pflegeeinrichtungen

Weißenburg – „An Leib und Seele grünen“. Mit diesen Worten aus dem Paul-Gerhard-Lied „Geh aus mein Herz und suche Freud“ fasste Rektor Dr. Günter Breitenbach, Vorstandsvorsitzender der Rummelsberger Diakonie, die Vorträge zum Fachtag „Update Altenpflege“ an der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe auf der Wülzburg zusammen. Rund 140 Schülerinnen, Schüler, Fach- und Führungskräfte der Alten- und Krankenpflege waren gekommen, um in vier Vorträgen ihr Wissen zu aktuellen Themen der Pflege aufzufrischen. Die Vorträge spannten einen Bogen von ganz körperbezogenen Schwerpunkten, wie dem Thema Mangelernährung im Alter, bis hin zu tiefgehenden psychischen und seelischen Aspekten, wie dem Umgang mit kriegstraumatisierten alten Menschen in Pflegeeinrichtungen.

Die stellvertretende Bezirkstagspräsidentin und Schirmherrin der Veranstaltung Christa Naaß betonte zusammen mit dem Landrat des Landkreises Weißenburg-Gunzenhausen Gerhard Wägemann die gesamtgesellschaftliche Aufgabe der Pflege. Gerade die neuen rechtlichen Veränderungen (zum Beispiel das anstehende Pflegeberufe-Gesetz) stellten Einrichtungen und Schulen der Pflege vor neue Herausforderungen, für die es politische, aber auch persönliche Lösungsbereitschaft braucht. „Ein Fachtag ist vor diesem Hintergrund nicht nur ein fachliches Update, sondern auch ein berufspolitisches Statement“, so Diakon Johannes Mahlmann, Pflegepädagoge und Dozent auf der Wülzburg.

Den ersten Vortrag gestaltete Prof. Dr. Ulrike Volkert von der Friederich-Alexander-Universität Erlangen/Nürnberg. Die Inhaberin der Professur für Klinische Ernährung stellte das Thema der Mangelernährung als unterschätztes Problem im Bereich der Altenhilfe dar. Alle beteiligten Professionen wie Pflegepersonal, Ärzte und weitere Berufsgruppen müssten ein offenes Auge haben für ernährungsbedingte Veränderungen im Alter, die nicht immer leicht erkennbar seien, so Volkert.

Anschließend referierte Diakon Dirk Münch, Erster Vorsitzender des Hospiz-Team-Nürnberg e.V., über neue Wege in der Hospiz- und Palliativversorgung. Kernaufgabe ist es, so Münch, die palliative Versorgung und Betreuung durch alle beteiligten Berufsgruppen besser miteinander zu verzahnen und so tragfähige Netzwerke zu knüpfen, die den Betroffen sowie deren Angehörigen zugute kommen. Einen weiteren Vortrag hielt Prof. Dr. Carl Heese, der von der Wilhelm-Löhe-Hochschule in Fürth auf die Wülzburg kam. Sein Thema, Depression im Alter, betonte insbesondere die Bedeutung der soziale Einbindung und Aktivierung depressiv erkrankter älterer Menschen.

Den Abschluss machte Diakon Peter Klentzan, der viele Jahre für die Stiftung Wings of Hope kriegstraumatisiere Kinder unterstützte und begleitete. Viele alte Menschen in Einrichtungen der Pflege sind nach wie vor von Kriegserlebnissen, von Flucht und Vertreibung traumatisiert. „Wenn die Vergangenheit zur Gegenwart wird“ so lautete der Titel seines Vortrags: ein Plädoyer für einen offene Wahrnehmung und Wertschätzung von betroffenen Bewohnern, die von traumatisierenden Erlebnissen ihrer Biografie eingeholt werden.

Der Fachtag war ein Projekt des zweiten Ausbildungsjahres der Berufsfachschule für Altenpflege. Die Schülerinnen und Schüler engagierten sich in der Vorbereitung und Organisation und gestalteten darüber hinaus das Rahmenprogramm des Tages, beispielsweise die Versorgung mit Speisen und Getränken und stellten das Schulleben mit einem Informationsstand vor.

Von: Johannes Mahlmann und Andrea Wismath

Gut besuchter Fachtag in schöner Kulisse: Zum „Update Altenpflege“ kamen rund 140 Besucherinnen und Besucher auf die Wülzburg. Foto: Altenpflegeschule