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19.02.2016

Ade Feierabendhaus

Rummelsberger Einrichtung feierlich „entwidmet“

Fünf Menschen, die eng mit der Geschichte des Rummelsberger Feierabendhauses verbunden sind und als Zeitzeugen bei der Schließungsfeier aus ihren Erinnerungen erzählten. Von links: Diakonenehepaar Helga und Johann Haller (Hauselter), Hannelore Karklis (Leiterin), Diakon Werner Schmidt (Leiter des Altenhilfeverbundes Rummelsberg) - seine Eltern Ida und Friedrich Schmidt hatten das Haus 20 Jahre lang geleitet - und Lidija Gligoric, die letzte Hausleiterin

Alle Andachten und Gottesdienste im Rummelsberger Feierabendhaus begleitete diese Bibel - bei der Feierstunde zu seiner Schließung überreichte sie jetzt Brüdersenior Diakon Martin Neukamm (rechts) an Diakon Werner Schmidt (Leiter des Altenhilfeverbundes Rummelsberg) für das Rummelsberger Stephanushaus

Viele nahmen an der Feierstunde anlässlich der Schließung des Rummelsberger Feierabendhauses im großen Saal teil, zu dem Peter Kraus (fachlicher Leiter Rummelsberger Dienste für Menschen im Alter) begrüßte

Diese Kerze brannte das letzte Mal bei einer Andacht im Rummelsberger Feierabendhaus, nun blies sie Brüdersenior Diakon Martin aus - ein Symbol für das Ende des Gebäudes als Altersruhesitz Text/Fotos: Krätzer

„Ein Heim für den Feierabend“ titelte am 14. Juni vor 60 Jahren „Der Bote“ und „Nach einem Leben voller Arbeite dürfen die Brüder der Inneren Mission heimkehren“. Am Tag zuvor hatte Pfarrer Hermann Bürckstümmer, damals Rektor der Rummelsberger Brüderschaft, das Feierabendhaus oder „neue Missionshaus“, wie es genannt wurde, feierlich seiner Bestimmung übergeben. 1,2 Millionen D-Mark kostete der Bau des Ruhesitzes inklusive angegliedertem Hospiz (heute Hotel Restaurant Anders) damals - und galt baulich mit seinen kleinen Apartments sowie konzeptionell als sehr modern und zukunftsweisend.

60 Jahr später kam nun das Aus, am 31. Dezember 2015 endete durch einen Beschluss des Vorstandes der Rummelsberger Diakonie die Ära der Senioreneinrichtung, zumindest was diesen Nutzungszweck betrifft. „Der Letzte macht das Licht aus“, fasste es Lidija Gligoric, die letzte Leiterin der Einrichtung, rückblickend bei einer Art Abschiedsfeier für das Feierabendhaus zusammen. Als sie die Haupttüre verriegelte, um das Gebäude durch einen Seitenausgang zu verlassen, habe sie Tränen in den Augen gehabt, erzählte sie. Ähnlich sei es ihnen bei Abschied auch ergangen, berichteten Gligorics Vorgänger, das Diakonenehepaar Helga und Johann Haller (Hauselter von 1990 bis 1999) und Hannelore Karklis (Leiterin von 2000 bis 2013). Zusammen mit Diakon Werner Schmidt (Leiter des Altenhilfeverbundes Rummelsberg), dessen Eltern Ida und Friedrich Schmidt 20 Jahre lang das Haus geleitet hatten, erinnerten sie als Zeitzeugen an die alten Zeiten, als das Haus noch mit Leben gefüllt war. Musikalisch begleitete das Ehepaar Dr. Peter Schleicher und Martina Schleicher mit Keyboard und Querflöte die Feierstunde.

Im großen Saal des vierten Stocks hingen an den Wände noch die stolzen Fotos von damals, vom Bau, Richtfest, der Einweihung und Schlüsselübergabe zierten. Viel Gäste hatten sich zur Schließungsfeier eingefunden, die Peter Kraus, fachlicher Leiter Rummelsberger Dienste für Menschen im Alter, herzlich begrüßte. Die ehemaligen und langjährigen Mitarbeiterinnen, ehemaligen Bewohner, Vertreter der Rummelsberger Brüderschaft, Diakonie und der Gemeinde wollten das nun leergeräumte Gebäude noch ein letztes Mal sehen, es quasi verabschieden, oder, wie es Brüdersenior Diakon Martin Neukamm formulierte, „entwidmen“. Von daher standen die Themen Abschied und Trauer, Wehmut und Neubeginn im Mittelpunkt von Neukamms Andacht, in der er auch an die Hausgemeinschaft, an Veranstaltungen genau in diesem Saal erinnerte.

Ursprünglich war das Feierabendhaus als Alterssitz für rüstige Rummelsberger Ruhestandsbrüder und ihre Frauen konzipiert. Wer durch seinen Beruf immer wieder auf neue Stellen gesendet (versetzt) wird, der sollte in Rummelsberg sein Zuhause haben können, stand als Grundgedanke dahinter. Für 200 DM monatlich konnte man in einer der 50 modernen Wohneinheiten - mit Kochnische und Toilette - günstig wohnen. Ansprechpartner war die Hausleitung, die zusammen mit Hensoldtshöher Diakonissen und weiteren Mitarbeiterinnen für das Wohl der Bewohner sorgten.

Wie ein Blick in die gute alte Zeit wirkten die Erinnerungen der Zeitzeugen, als es familiär und gemütlich zuging, sich noch „Hauseltern“ persönlich kümmerten, man gemeinsam Unternehmungen plante, Feste auf der Wiese feierte - einmal sogar ein ganzes Schwein grillte - und es dafür einfach noch Zeit gab. Erste gravierende Veränderungen skizzierte Diakon Haller, der in seinem Rückblick auf stetig wachsende Auflagen von Seiten der Behörden sprach. Mehr und mehr hätten sie seine Zeit zum Nachteil der Bewohner benötigt, sagte er. Dies und mehr pflegebedürftige Bewohner, für die das Haus ursprünglich nicht gedacht war, läuteten langsam sein Ende ein. Es habe viele Visionen über Modernisierung und Umbaumaßnahmen gegeben, erinnerte sich Karklis. Doch als im September 2014 die anstehende Schließung bekannt wurde und zudem ein Aufnahmestop für Dauerbewohner, nahm die Nachfrage verständlicherweise schnell ab.

Zu kleine Zimmer, zu wenig behindertengerechter Wohnraum, zu teuer für eine Sanierung - das Feierabendhaus entspricht heute nicht mehr den baulichen Anforderungen und Brandschutzbestimmungen für ein Pflegeheim. Doch für das Gebäude gibt es schon neue Pläne: die Rummelsberger Diakonie will hier günstigen sozialen Wohnraum für junge Leute und Familien anbieten, der dringend benötigt wird.

Der Letzte macht das Licht aus - im Fall des Feierabendhauses war es das symbolische Ausblasen der Kerze, die bei Andachten immer gebrannt hatte, und die Bibel, die Neukamm an Werner Schmidt weiter reichte - „für das Rummelsberger Stephanushaus“.
Dorothée Krätzer

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