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21.03.2016

Chancen für jedes Talent

Das Berufsbildungswerk in Rummelsberg feierte 40 Jahre

Zeitzeugen aus 40 Jahren Berufsbildungswerk mit den Gratulanten und Leitenden der Rummelsberger Diakonie

RUMMELSBERG _ Die Anfänge waren klein und bescheiden: mit nur vier Azubis nahm das Berufsbildungswerk (BBW) der Rummelsberger Diakonie 1976 seine Arbeit auf. Heute, vier Jahrzehnte später, werden 360 junge Menschen aus ganz Bayern in 40 Ausbildungsberufen im BBW auf das Berufsleben vorbereitet. Die Einrichtung, die eine von nur zwölf in ganz Bayern ist, bietet „Bildung nach Maß“ und hat sich für junge Menschen mit Förderbedarf in verschiedensten Bereichen geöffnet. Eine Bilanz, auf die die Verantwortlichen beim runden Geburtstag durchaus stolz verwiesen.

Freilich, leicht war es nie und ist es auch heute nicht, im Spannungsfeld zwischen Arbeitsmarkt, Kostenträgern und Wünschen der Auszubildenden den richtigen Weg zu gehen und dabei die Wirtschaftlichkeit der Einrichtung stets im Blick zu haben. Was für Jürgen Zwingmann, den ersten Azubi des BBW in Rummelsberg 1976 noch selbstverständlich war, nämlich während der Ausbildung zum technischen Zeichner im Internat der Einrichtung zu wohnen, war für Lucien Herbst, der 2002 im BBW eine Ausbildung zum Orthopädiemechaniker begann, unvorstellbar.

Der junge Mann, der heute in seinem Beruf fest in den ersten Arbeitsmarkt integriert ist, lebte lieber zusammen mit anderen Azubis in einer Außenwohngruppe. Eine Entwicklung, der das BBW, das anfangs nur körperbehinderte Menschen aufnahm, ebenso Rechnung trug, wie mit der Öffnung für Menschen mit seelischen Handicaps und in den letzten Jahren zunehmend auch für Flüchtlinge.

Für Mathias Wagner, den Leiter des Rummelsberger Berufsbildungswerkes und Karl Schulz, Chef der Rummelsberger Dienste für Menschen gemeinnützige GmbH, war das die logische Reaktion auf die gesellschaftlichen Entwicklungen. „Nur so schaffen wir zeitgemäße Perspektiven für junge Menschen verschiedenster Herkunft und verhindern Ausgrenzung“, sagt Schulz. Das Konzept aus Ausbildung, Berufsschule, und Wohnen in enger Zusammenarbeit mit den Fachdiensten ist dabei die wichtigste Säule, ist sich Christl Schreiner, langjährige Internatsmitarbeiterin sicher. „Das eine geht ohne das andere nicht gut“, sagt Schreiner. Auch Partner in der Wirtschaft spielen eine wichtige Rolle. Nur wenn sie den jungen Menschen eine Chance geben, fruchten die Bemühungen des Bildungsträgers, kein Talent verloren gehen zu lassen.

50 Prozent beträgt laut Jochen Wiegand, seit 2010 Leiter der Ausbildung im BBW, aktuell die Integrationsquote der Absolventen in den ersten Arbeitsmarkt. Es könnte mehr sein, wünscht sich Wiegand.  Das fordert auch die Arbeitsagentur, der wichtigste Partner des BBW. Gleichwohl geht das eben nur, wenn sich Betriebe und Arbeitgeber gleichermaßen für die Absolventen öffnen. Die acht ehemaligen Azubis, die bei der Feier zum 40-jährigen Bestehen des BBW im Gespräch mit Wiegand und ehemaligen Ausbildern stolz über ihren Werdegang berichten, sind hier herausragende Beispiele. Sie landeten trotz Körperbehinderung beim Bundesgrenzschutz, im Finanzamt oder in der IT-Branche, studierten zum Teil nach der Ausbildung. Ansporn für alle Beteiligten, in Sachen Integration nicht nach und Schubladendenken nicht zuzulassen.

Arbeitgeber wie die benachbarte Sana-Klinik, die regelmäßig Praktika für die Azubis des BBW anbietet und auch Arbeitsplätze schafft, gehen hier mit gutem Beispiel voran. Aber auch die Politik ist gefordert, die Rahmenbedingungen noch zu verbessern, betont der Leiter des BBW, Mathias Wagner, mit Appell an den Landtagsabgeordneten Norbert Dünkel (CSU) und Landrat Armin Kroder, für die das BBW ein „herausragender Bildungsträger im Bereich der beruflichen Bildung“ (Kroder) und ein „Leuchtturm der dualen Ausbildung in Bayern“ (Dünkel) ist.

Immerhin beschäftigte etwa die Gemeinde Schwarzenbruck eine Absolventin des BBW, der Neubau des Rathauses wurde nicht zuletzt wegen der körperbehinderten jungen Menschen, die sich zu Beginn ihrer Ausbildung in Rummelsberg auf der Gemeinde anmelden müssen, schon vor fast 40 Jahren mit einem Aufzug ausgestattet. Barrierefreiheit, auch das ist ein wichtiges Thema in diesem Zusammenhang, genauso wie die Vernetzung etwa durch das Integrationsbündnis in Nürnberg, die Martin Reitzner von der Arbeitsagentur lobend erwähnt.

Themen, die allerdings an diesem Feiertag, an dem der Rückblick der ehemaligen Azubis, Mitarbeiter, Förderer und Wegbegleiter des BBW im Zentrum steht und die Mitarbeiterband 40 Jahre musikalisch Revue passieren lässt, nur am Rande angeschnitten werden. „Wir fühlen uns hier wohl“, sagt am Ende ein junges Mitglied der Teilnehmervertretung. „Ich kann was und ich kann was lernen, das habe ich im BBW gelernt“, sagt Barbara Gotschy, die 2004 in Rummelsberg ihre Ausbildung zur Bürokauffrau begann. Beides ist für die Verantwortlichen wohl das größte Lob.

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