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11.03.2016

„Der Arzt darf das Leben, aber niemals das Sterben verlängern“

Beim Fachtag der Rummelsberger Diakonie informierten sich Pflegekräfte über den Umgang mit Patientenverfügungen und Willensäußerungen am Ende des Lebens. Medizinrechtler Wolfgang Putz mahnt die Achtung des Patientenwillens am Lebensende an.
Von: Bettina Nöth

Unter dem Motto „‘Mein/Dein Wille geschehe!‘ Wer entscheidet am Ende des Lebens?“ fand am Donnerstag in Rummelsberg ein Fachtag für Pflegekräfte statt. Unter den Referenten war der Münchner Medizinrechtler Wolfgang Putz (links vorne). Foto: Patrick Wolf

Rummelsberg – Wer entscheidet am Lebensende? „Der Wille des Patienten muss respektiert werden“, mahnte der Medizinrechtler Wolfgang Putz am Donnerstag bei einem Fachtag der Rummelsberger Diakonie. „Der Arzt darf das Leben, aber niemals das Sterben verlängern“, sagte der Rechtsanwalt und Lehrbeauftragte für Medizinrecht und Medizinethik an der Ludwig-Maximilians-Universität München vor rund 60 Pflegekräften der Alten- und Behindertenhilfe sowie Mitgliedern von Hospizvereinen der Region.

Wolfgang Putz erklärte, dass eine ärztliche Behandlung am Lebensende nicht gegen den Willen eines Sterbenskranken erfolgen dürfe. Auch der Wille, sterben zu wollen, müsse respektiert werden. „Jeder Patient hat einen Willen – auch im Schlaf, in der Narkose und im Koma“, betonte der Experte für Medizinrecht. Der Wille könne entweder schriftlich als Patientenverfügung vorliegen oder als mündliche Äußerung über einen Behandlungswunsch. „Patientenverfügungen und Behandlungswünsche sind jederzeit mündlich widerrufbar, wenn der Patient die notwenige Einsichtsfähigkeit hat“, sagte Wolfgang Putz.

Wenn ein Mensch, der zum Beispiel an Alzheimer erkrankt ist, willensunfähig sei, müssten Pflegkräfte mit den Angehörigen den mutmaßlichen Willen des Sterbenden ermitteln. „Die Ermittlung erfolgt anhand konkreter Anhaltspunkte, wenn er zum Beispiel gesagt oder aufgeschrieben hat, wie er behandelt werden möchte, oder aufgrund ethischer oder religiöser Überzeugungen des Betreuten“, erklärte der Rechtsanwalt.

Das Thema des Fachtags – „Mein oder Dein Wille geschehe?“ – beleuchtete der Würzburger Experte für Hospizarbeit und Palliative Care, Prof. em. Dr. Ernst Engelke, aus psychosozialer und theologischer Sicht. Er stellte das gängige Sprechen und Theorien über das Sterben als einen Prozess des Loslassens und des Akzeptierens des Leids und des Todes in Frage. „Sterbenskranke wollen nicht sterben, sondern leben – sie akzeptieren ihre lebensbedrohliche Erkrankung nicht, lehnen sich dagegen auf und kämpfen gegen ihr Schicksal“, erklärte der Theologe, der sich auf empirische Untersuchungen berief. „Niemand steigt gern ins Grab.“

„Sterbenskranke und Sterbende zu begleiten heißt, sie in ihrem Kampf gegen den Tod zu begleiten“, sagte Ernst Engelke, der sich in der Akademie für Palliativmedizin, Palliativpflege und Hospizarbeit und den Palliativstationen der Stiftung Juliusspital in Würzburg engagiert. Pflegekräfte und Hospizbegleiter müssten lernen, Sterbende in ihrem Widerstand zu begleiten und deren offene oder verdeckte Aggression gegen die Krankheit und den Kampf gegen den Tod auszuhalten.

Veranstaltet wurde der Fachtag von der neuen Fachstelle für Hospizarbeit und Palliative Care der Rummelsberger Diakonie. Die Fachstelle und der Rummelsberger Hospizverein bieten Beratung zu den Themen rund um das Lebensende an.

Veranstaltungstipp: Unter dem Motto „Würdelos? Wertlos? Was können wir tun?“ findet am Samstag, 12. März 2016, von 9.30 bis 15 Uhr in der Aula des Landratsamtes Neumarkt eine Veranstaltung des Ethikforums am Klinikum Neumarkt statt. Wolfgang Putz spricht dort um 13.30 Uhr zum Thema „Das Rechtssystem: Fluch oder Segen für die Würde des Menschen?“

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