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Die Rummelsberger

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12.01.2021

Ein neues Zuhause

In einer Wohngemeinschaft in Rummelsberg kümmert sich der Diakonische Intensiv-Pflegedienst der Rummelsberger Diakonie rund um die Uhr um sechs Patientinnen und Patienten.

Die schmale Straße schlängelt sich Rummelsberg hinauf. Am Ende der Straße, einige Meter vor der Philippuskirche, stehen links und rechts des Weges einige Wohnhäuser. Friedlich ist es hier, so mitten in der Natur. Zu der Reihe gehört ein großes Einfamilienhaus, frisch gestrichen und mit bepflanzten Blumenkästen auf den Fensterbänken. Seit Juli 2019 lebt Karlheinz Weiß hier, gemeinsam mit weiteren fünf Bewohnerinnen und Bewohnern, die wie er auf eine spezielle Intensiv- und Beatmungspflege angewiesen sind.

Der 65-Jährige leidet an amyotropher Lateralsklerose, auch ALS genannt, einer fortschreitenden Erkrankung des Nervensystems. In der ersten Zeit nach der Diagnose betreuten seine Frau Roswitha und ihre vier Kinder, die zwischen 15 und 24 Jahre alt sind, Karlheinz Weiß in ihrem Zuhause in Pleinfeld. Doch aufgrund einer schweren Lungenerkrankung verschlechterte sich sein Zustand so stark, dass die Familie die Pflege nicht mehr stemmen konnte.„Wir hätten eine 24-Stunden-Hilfe gebraucht, aber es ist schwierig, jemanden zu finden, und auch unser Haus gab es räumlich nicht her. In einem der Pflegeheime, die wir uns angeschaut haben, habe ich meinen Mann aber auch nicht gesehen. Er ist zu jung für eine Senioreneinrichtung und ich hatte Zweifel, dass das Personal dort für seine Krankheit ausreichend ausgebildet ist“, erzählt Roswitha Weiß. Die Wohngemeinschaft in Rummelsberg sei ein „Glücksgriff“ gewesen.

Sechs Frauen und Männer verschiedenen Alters leben hier unter einem Dach. Jede Bewohnerin und jeder Bewohner hat ein eigenes Zimmer für sich, das sich abgesehen von medizinisch notwendigem Mobiliar individuell einrichten lässt. Im Erdgeschoss gibt es darüber hinaus eine offene Küche mit einem Wohnzimmer, an das sich eine Terrasse und ein Garten anschließen. Der Blick geht ins Grüne. Das Bad im ersten Stockwerk bietet ausreichend Raum für die Körperpflege. Ein Aufzug sorgt dafür, dass die Bewohnerinnen und Bewohner die Etagen wechseln können. Wer aufgenommen wird, ist an ALS, einer schweren Hirnschädigung, einer chronischobstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder Muskelschwund erkrankt. Die Patientinnen und Patienten werden künstlich beatmet oder haben einen dauerhaften Luftröhrenschnitt.

Der Diakonische Intensiv-Pflegedienst ist rund um die Uhr mit zwei Mitarbeitenden für sie da. „Es handelt sich um Kranken- oder Altenpflegefachkräfte, die eine mindestens dreijährige Ausbildung sowie eine Zusatzausbildung in der außerklinischen Intensivpflege absolviert haben“, sagt Pflegedienstleiter Bernd Hertle. 2018 baute die Rummelsberger Diakonie das frühere Rektorenhaus zu einer barrierefreien Wohngemeinschaft um. Abhängig von ihrer jeweiligen Erkrankung können die Patientinnen und Patienten das alltägliche Leben und das Miteinander in dieser Gemeinschaft allerdings nicht unbedingt direkt wahrnehmen. „Es ist unser Anspruch, die Bewohnerinnen und Bewohner einmal am Tag zu mobilisieren und es ihnen zu ermöglichen, sich mit den Pflegekräften im Wohnzimmer aufzuhalten. Im Sommer saßen sie oft mit viel Abstand zueinander auf der Terrasse“, sagt Bernd Hertle. „Bei den meisten Bewohnerinnen und Bewohnern wissen wir nicht, was sie wahrnehmen. Deshalb ist es uns sehr wichtig, viel mit ihnen zu sprechen und sie vollumfänglich in das Gemeinschaftsleben einzubeziehen.“

Karlheinz Weiß verständigt sich mit den Pflegekräften über einen Sprachcomputer, den er mit seinen Augen steuert. „Er hat einen guten Draht zu ihnen. Es ist ein netter, fast schon freundschaftlicher Umgang miteinander“, sagt Roswitha Weiß. Sie selbst ist Mitglied im sogenannten „Gremium der Selbstbestimmung“, in dem die Angehörigen oder gesetzlichen Betreuerinnen und Betreuer vereint sind. So klären sie etwa praktische Fragen des Alltags in der Wohngemeinschaft. Aufgaben wie kleinere Reparaturen oder die Gartenpflege werden untereinander aufgeteilt. Bei den Treffen, die alle zwei Monate stattfinden, ist zudem Raum, um sich über Persönliches auszutauschen. „Die Angehörigen begegnen sich mit ihrem Schicksal und merken, dass sie damit nicht allein sind“, sagt Bernd Hertle.

Für Roswitha Weiß war es schmerzlich, ihren Mann nicht mehr zu Hause betreuen zu können. Nach einem Krankenhausaufenthalt zog er direkt in die Wohngemeinschaft und konnte bislang seine Familie nicht besuchen. „Das ist natürlich nach wie vor sehr schwer für ihn und diese Gefühle kommen immer wieder hoch“, erzählt sie. Inzwischen habe er die Wohngemeinschaft aber als sein zweites Zuhause akzeptiert. Auch sie selbst hat ihren Frieden mit dieser Lösung gefunden. „Natürlich wäre es schön, er wäre bei uns und bekäme den familiären Alltag mit. Aber ich habe einsehen müssen, dass ich es nicht stemmen kann und dass die bessere Pflege in der Einrichtung gegeben ist. Zu wissen, dass er dort gut aufgehoben ist, gibt mir Sicherheit“, ergänzt Roswitha Weiß.

Weitere Wohngemeinschaft geplant:

Das Konzept der Wohngemeinschaft für die außerklinische Intensiv-Pflege wird ab Frühjahr 2021 auch in Nürnberg angeboten. In der Tafelfeldstraße, nahe des Hauptbahnhofs gelegen, entsteht eine barrierefreie Wohngemeinschaft für neun Patientinnen und Patienten. Im 2017 fertiggestellten Lavida-Gebäudekomplex sind bereits Seniorenwohnungen und eine Tagespflege untergebracht. Ein beschatteter Innenhof steht zur Verfügung. Wer an dem Angebot interessiert ist, kann sich an Pflegedienstleiter Bernd Hertle vom Diakonischen Intensiv-Pflegedienst wenden unter Tel.: 0151 - 14 97 59 40 oder per E-Mail an hertle.bernd@rummelsberger.net. Weitere Informationen unter 7werke.de/intensivpflege im Internet.

Von: Kerstin Smirr

Eine offene Küche und das Wohnzimmer gehören zu den Gemeinschaftsräumen im Einfamilienhaus. Täglich verbringt Karlheinz Weiß hier etwas Zeit, wie hier mit Pflegerin Lena Meiner. (Foto: Simon Malik) Bernd Hertle und den Pflegekräften ist es wichtig, viel mit den Patientinnen und Patienten zu sprechen – auch wenn sie nicht immer sicher sein können, dass ihre Worte wahrgenommen werden. (Foto: Simon Malik)