Menschen an Ihrer Seite.

Die Rummelsberger

07.08.2017

Schritt für Schritt in die Selbstständigkeit

Seit 20 Jahren begleiten die Mitarbeitenden des Ambulanten Erzieherischen Dienstes der Rummelsberger Diakonie in Oberfranken Familien – bei ganz unterschiedlichen Problemen

Eine typische Beratungssituation gibt es nicht. Jeder Tag, jedes Gespräch ist anders. Die Hilfen des Ambulanten Erzieherischen Dienstes (AED) der Kinder- und Jugendhilfe Oberfranken sind individuell auf jede Familie zugeschnitten. Seit 20 Jahren begleitet das Team der Rummelsberger Diakonie nun schon Kinder, Jugendliche und ihre Eltern.

Katharina Zeller hatte keine leichte Schulzeit. Die heute 16-Jährige lebt bei ihrem Vater. Sie zogen oft um und Katharina Zeller musste häufig die Schule wechseln. Gaby Trompetter, Bereichsleiterin des AED, half dem alleinerziehenden Vater bei Problemen mit Ämtern, Behörden und in finanziellen Fragen. Inzwischen unterstützt sie die junge Frau vor allem auf dem Weg in die Selbstständigkeit. „Ich möchte auf eigenen Beinen stehen und unabhängig werden, auch von meinem Papa“, sagt Katharina Zeller. 

In einem Hilfeplan legt die 16-Jährige gemeinsam mit Gaby Trompetter, ihrem Vater und einer Mitarbeiterin des Jugendamts fest, was sie erreichen möchte. Im Moment besucht sie eine Berufliche Fachschule für Sozialpflege und arbeitet auf den Berufsabschluss zur staatlich anerkannten Sozialpflegerin hin. „Wir hätten nie gedacht, dass sie eine schulische Laufbahn dran hängt“, sagt Gaby Trompetter. „Ich hatte keine Lust zu lernen“, erinnert sich Katharina Zeller. Nun hat sie den Spaß daran wiedergefunden. Kommt sie alleine nicht weiter, hilft ihr Gaby Trompetter bei den Schularbeiten. Die Diplom-Sozialpädagogin ist aber keine Nachhilfelehrerin. Sie erklärt Katharina Zeller zwar auch Matheaufgaben und  zeigt der 16-Jährigen aber vor allem, wie sie sich selbst helfen kann. Das kann auch mal eine Suchanfrage bei Google sein.

Die gemeinsame Arbeit von Katharina Zeller und Gaby Trompetter basiert auf einem Vertrauensverhältnis. „Wir können Schönes und Bedrückendes besprechen“, sagt Katharina Zeller. „Gaby ist meine Vertrauensperson.“ Das war nicht von Anfang an so. „Man muss eine Beziehung aufbauen und sich gegenseitig vertrauen“, sagt Gaby Trompetter. „Es ist eine sehr intensive Arbeit“, fährt die Sozialpädagogin fort. Dabei ist es nicht immer möglich, einen vorgefertigten Tagesplan durchzuboxen. „Wir müssen uns gut aufeinander abstimmen und schauen, was gerade wichtig ist“, sagt Trompetter. Wenn Katharina Zeller zum Beispiel Probleme in der Familie hat und davon abgelenkt ist, bringt es nichts, Sozialkunde zu lernen. Dann ist es wichtiger, am Verhältnis zu Vater, Mutter oder Schwester zu arbeiten.

So individuell, wie die Begleitung von Katharina Zeller, sind alle Hilfen des Ambulanten Erzieherischen Dienstes. „Die Bandbreite ist groß“, sagt Gaby Trompetter. Überforderte Alleinerziehende, Jugendliche mit psychischen Erkrankungen oder Suchterkrankungen – der AED bietet keine Pauschalhilfe, sondern individuell geplante Hilfe. Entstanden ist der AED Oberfranken vor 20 Jahren in Fassoldshof bei Mainleus. Die Ambulanten Hilfen ergänzten das stationäre Angebot der Rummelberger Diakonie in Fassoldshof. Zunächst kümmerten sich die Mitarbeiter vorwiegend um verhaltensauffällige Jungen. Im Laufe der Jahre ergänzte die Mädchenarbeit und die Familienhilfe das Angebot.

„Unsere Arbeit hat sich gewandelt“, sagt Gaby Trompetter. „Es gab auch früher mal Patchwork-Familien, aber das hat stark zugenommen und damit auch die vielschichtigen Herausforderungen, die daraus entstehen können“, sagt die Sozialpädagogin. „Wir haben jetzt auch nichtstoffliche Suchterkrankungen, wie Handy- oder Spielsucht“, fährt sie fort. Ebenso hätten die psychischen Erkrankungen im Jugendalter zugenommen, etwa Schulverweigerungen oder Depressionen.

Das Team der Ambulanten Erzieherischen Dienste betreut von Fassoldshof aus über 60 Familien in Oberfranken. Hinzu kommt die Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen in einer ambulanten Wohngruppe in Coburg. Derzeit arbeiten elf Mitarbeiter für den AED der Rummelsberger Diakonie. Katharina Zeller ist froh, dass sie in Gaby Trompetter eine Vertrauensperson gefunden hat. „Manchmal brauch ich noch einen Tritt“, sagt die 16-Jährige. Gaby Trompetter motiviert sie gerne. Schließlich sieht sie, welch große Schritte die junge Frau schon gegangen ist.

Von: Claudia Kestler

Katharina Zeller kann mit Gaby Trompetter von den Ambulanten Erzieherischen Diensten der Rummelsberger Diakonie über alles sprechen, seien es Probleme in der Familie oder Matheaufgaben, bei denen die 16-Jährige nicht weiter kommt. Foto: Claudia Kestler