Menschen an Ihrer Seite

Die Rummelsberger

08.11.2018

Träger und Kommunen streben engere Kooperation in der Sozialwirtschaft an

Das ist das Ergebnis des EU-Informationsgesprächs am Stand der Rummelsberger Diakonie auf der ConSozial

Nürnberg – Messen wie die ConSozial sollen Austausch und Vernetzung ermöglichen. Sehr konkret wurde dieser Gedanke gestern am Stand der Rummelsberger Diakonie umgesetzt: Denn erstmals fand am Mittwoch ein europäisches Informationsgespräch mit Vertreterinnen und Vertretern von europäischen Organisationen, der Politik, der Diakonie Neuendettelsau und dem Vorstand der Rummelsberger Diakonie statt. Die Veranstaltung ist Teil der European Social Economy Regions 2018, einem Pilot-Projekt der Europäischen Kommission, an dem insgesamt 32 Regionen aus ganz Europa teilnehmen. Ziel ist es, die lokale Sozialwirtschaft sichtbarer zu machen, lokale Organisationen mit Politik und Unternehmen zu vernetzen und den Austausch zwischen europäischen Regionen zu stärken.

In zwei Runden sprachen zunächst Dr. Ulla Engelmann als Vertreterin der Europäischen Kommission, Rudolf Forster vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales, als Vertreter der ConSozial, Erdmuthe Klaer, stellvertretende Generalsekretärin von REVES, Europäisches Netzwerk von lokalen und regionalen Gebietskörperschaften und der dort aktiven Organisationen der Sozialwirtschaft, sowie Karl Schulz, Vorstand Dienste der Rummelsberger Diakonie, miteinander. Das Thema lautete „Digitalisierung in sozialen Unternehmen“. Einig waren sich die Gesprächspartner darüber, dass Digitalisierung nicht komme, sondern längst schon da sei. Das bestätigt Karl Schulz: „Senioren, die in eine unserer neuen Einrichtungen einziehen wollen, fragen ganz konkret nach Wlan und den Vorrichtungen für Ambient-Assisted-Living und Smart Home.“ Darunter versteht man technische Ausstattung, die das Leben im Alter oder bei Krankheit in den eigenen vier Wänden erleichtert.

Die Europäische Kommission will insbesondere Unternehmen der Sozialwirtschaft darin bestärken, den Prozess der Digitalisierung innovativ und mit einem klaren Konzept aktiv mitzugestalten. Dr. Engelmann stellte klar: „Die Sozialwirtschaft ist in anderen europäischen Ländern ganz anders aufgestellt als in Deutschland.“ Dennoch – oder gerade deswegen – gibt es viele Möglichkeiten, voneinander zu profitieren.

Bedürfnisse von morgen erkennen

Ein ganz konkreter Schritt hin zu mehr träger- und institutionsübergreifender Kooperation vor Ort ist die Bildung von sogenannten „Clustern“ der Sozialwirtschaft. Dabei geht es um den Zusammenschluss von Unternehmen, Instituten und anderen Einrichtungen (beispielsweise Kommunen), die gemeinsame Interessen verfolgen – in diesem Fall an den Bedürfnissen der Menschen orientierte Angebote zu ermöglichen. „Dabei dürfen wir nicht immer nur auf die Bedürfnisse von heute blicken, sondern müssen überlegen, wie die Bedürfnisse der Menschen in der Zukunft aussehen“, so Dr. Engelmann. Nicht jede Institution muss sich allein Gedanken darüber machen, sondern kann sich mit anderen zusammenschließen: „Cluster in der Sozialwirtschaft“ waren daher Thema der zweiten Gesprächsrunde zwischen Dr. Engelmann, Harald Frei, Vorstand Finanzen der Rummelsberger Diakonie, Manuela Füller, geschäftsführende Leitung des Vorstandsbereichs Dienste für Menschen bei der Diakonie Neuendettelsau, Armin Kroder, Landrat des Landkreises Nürnberger Land, und Reiner Prölß, Stadtrat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg.

Landrat Kroder schätzt die Zusammenarbeit zwischen Kommunen und Trägern als gut ein, Probleme bereite nach wie vor der Mangel an Pflegefachkräften. „Ein ganzes Stockwerk einer neu gebauten, top ausgestatteten Senioreneinrichtung im Landkreis steht leer, weil nicht genügend qualifiziertes Personal zu finden ist“, so Kroder. Manuela Füller von der Diakonie Neuendettelsau berichtete von einem Pilotprojekt, bei dem sich der Träger mit einer Forschungseinrichtung und der Kommune zusammengeschlossen hat. Die EU-Kommission will institutionenübergreifende Kooperationen nicht nur ideell fördern, sondern auch konkret mit Geld. Einig waren sich schließlich alle: In Zukunft wollen sie noch enger zusammenarbeiten.

Von: Andrea Wismath

v.li.: Reiner Prölß, Stadtrat für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg, Dr. Ulla Engelmann als Vertreterin der Europäischen Kommission, Pressesprecher Georg Borngässer, Manuela Füller, geschäftsführende Leitung des Vorstandsbereichs Dienste für Menschen bei der Diakonie Neuendettelsau, Armin Kroder, Landrat des Landkreises Nürnberger Land, und Harald Frei, Vorstand Finanzen der Rummelsberger Diakonie, sprachen über ein Cluster Sozialwirtschaft. Foto: Andrea Wismath