Menschen an Ihrer Seite.

Die Rummelsberger

Infos zum Standort
14.12.2018

Ausdruck für die weibliche Seite der Diakonie

Eine Tonfigur von Katharina von Bora für die Rummelsberger Philippuskirche

Rummelsberg – „Käthe, bringe mir flugs eine Kanne Bier aus dem Keller“, steigt Rektor Dr. Günter Breitenbach als Martin Luther in den Gottesdienst mit dem neuen Kunstwerk „Katharina von Bora“ ein. Gabriele Gerndt, Pfarrerin der Kirchengemeinde Rummelsberg, schlüpft mit blauer Schürze über dem Talar in die Rolle der Katharina und gibt „Martin“ Kontra: „Du kannst doch gut selbst deine Kanne holen, ich muss mich um anderes kümmern.“

Für Diakonin Elisabeth Peterhoff, Leiterin der Diakoninnengemeinschaft, ist diese Aussage bezeichnend für Katharina von Bora. „Diese mutige, junge Frau, die unter lebensgefährlichen Bedingungen aus dem Kloster geflohen ist, sich dann als Gleichberechtigte an der Reformatorenrunde beteiligte – das beeindruckt mich“, erklärt sie ihre Begeisterung. „Für ihre Zeit war Katharina von Bora eine sehr sichtbare Frau. Luther hat sie als gleichberechtigte Partnerin wahrgenommen, sie ‚Herr Käthe‘ genannt. Heute denken wir uns vielleicht, das ist komisch, aber vor 500 Jahren war die größte Anerkennung, die Katharina von Bora kriegen konnte, von ihrem Mann als einflussreiche Person mit Respekt behandelt zu werden.“

Die rund 30 Kilogramm schwere Skulptur, die von der Künstlerin Sonja Völkel gestaltet wurde, wird in den nächsten Wochen ihren endgültigen Bestimmungsort gemeinsam mit der Skulptur von Martin Luther finden.

Der Weg bis dahin war ein langer: 2017, im Jahr des 500. Reformationsjubiläum, war Elisabeth Peterhoff eingeführt worden als Älteste der Diakoninnengemeinschaft. Aus Anlass des Reformationsjubiläums war die Lutherskulptur vom Sockel über der Tür in den Altarraum gebracht worden und stand dort auch während der Einführung. Der frisch gebackenen Leiterin der Diakoninnengemeinschaft fiel dadurch erneut auf, dass die Philippuskirche historisch bedingt ein sehr männlich geprägter Raum ist. „Mir war es wichtig, einen Ausdruck für die weibliche Seite der Diakonie zu finden“, erinnert sich Elisabeth Peterhoff. „Mehr als zwei Drittel der Beschäftigten bei der Rummelsberger Diakonie sind Frauen. Und man darf nicht vergessen: Es gab Frauen, die bereits in der Reformation eine wichtige Rolle gespielt haben. Ohne Katharina von Bora wären viele von Luthers reformatorischen Erkenntnissen gar nicht verbreitet worden.“ Zu ihrer Einführung hatte die Diakonin kurzerhand ein gerahmtes Bild von Katharina von Bora mitgebracht und die Reformatorin mit in die Predigt aufgenommen. „Damit war die Idee geboren. Viele Mitarbeitende haben mich in den Monaten danach gefragt, wann Katharina nun in die Philippuskirche einzieht“, lacht die Leiterin der Diakoninnengemeinschaft. Auch die männlichen Vorstandskollegen fanden die Idee gut: „Sie waren gleich Feuer und Flamme. Aber sie schienen auch etwas überrascht zu sein darüber, dass öffentliche Anerkennung nach wie vor ein Thema ist, das Frauen fehlt.“

Es war auch nicht so einfach, eine Künstlerin zu finden, die eine Skulptur in dieser Größe fertigen konnte. Umso mehr freut sich Elisabeth Peterhoff, dass sich mit Sonja Völkel eine Frau an diese Aufgabe herangetraut hat. Die Figur sollte ja auch zu Luther passen, erklärt sie.

Eines ist Elisabeth Peterhoff ganz wichtig: „Die Figur ist zwar ein Geschenk der Diakoninnengemeinschaft. Aber sie gehört nicht der Gemeinschaft. Die Skulptur steht für alle Frauen. Denn es ist wichtig, deutlich zu machen: Jenseits von definierter Geschlechtlichkeit gehören alle Menschen dazu.“

Von: Diakonin Arnica MÜhlendyck

Gottesdienst_Bora_Foto_JoschkaVölkel_presse.jpgKatharina-von-Bora_Foto_JoschkaVölkel_presse.jpgPM_Katharina_von_Bora.pdf
(v.l.) Pfarrerin Gabriele Gerndt, Künstlerin Sonja Völkel, Diakonin Elisabeth Peterhoff und Rektor Dr. Günter Breitenbach gemeinsam mit Martin Luther und der neu gestalteten Katharina von Bora (Foto: Joschka Völkel) Die rund 30 Kilogramm schwere Skulptur wird in den nächsten Wochen ihren endgültigen Bestimmungsort in der Philippuskirche finden. (Foto: Joschka Völkel)