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08.10.2019

„Bei der Versorgung besteht Verbesserungsbedarf“

Zum 20-jährigen Jubiläum initiiert die Beratungsstelle für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung Mittelfranken der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg ein Neuro-Netzwerk.

Nürnberg – Ein Sturz mit dem Fahrrad, ein Zusammenprall auf der Autobahn, ein schlimmer Schlaganfall: Im Leben kann von einer Sekunde auf die andere alles anders sein. Für einen selbst und für die ganze Familie. Wenn das Gehirn verletzt wird, müssen Betroffene und Angehörige ihr Leben komplett neu ordnen. Das ist nicht einfach. Die Beratungsstelle für Menschen mit erworbener Hirnschädigung Mittelfranken der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg ist in diesem Fall eine wichtige Anlaufstelle. Seit 20 Jahren sind die drei Beraterinnen und Berater für Betroffene und Angehörige da. Anlässlich des Jubiläums Anfang Oktober wollen sie die Gründung eines Neuro-Netzwerks im Großraum Nürnberg initiieren. Im Interview erklären die Sozialpädagogen Katrin Wanka und Ulrich Wittenbeck, warum es ein Netzwerk braucht und wie Betroffene und Angehörige davon profitieren.

Frau Wanka, nach Angaben der Hannelore-Kohl-Stiftung leben in Deutschland rund 800.000 Menschen mit den Folgen einer erworbenen Hirnschädigung. Wer kann zu Ihnen kommen?
Katrin Wanka:
Wir begleiten und beraten Menschen mit einem Schädel-Hirn-Trauma, nach einem Schlaganfall, einer Hirnblutung oder einem Tumor sowie Menschen mit Hirnschädigungen durch Sauerstoffmangel oder Entzündungen. Betroffene kommen in der Regel zu uns, nachdem sie in der Klinik behandelt wurden. Zusammen mit den Familien müssen dann viele dringende Fragen geklärt werden: Wie geht es nach dem Klinikaufenthalt weiter? Welche Möglichkeiten der Rehabilitation gibt es? Wie kann eine Wiedereingliederung in das soziale Umfeld und den Beruf erfolgen? Wo gibt es entsprechende Beratung und Unterstützung? Ziel ist, dass die Menschen eine neue Lebensperspektive entwickeln können.

Herr Wittenbeck, wie soll das neue Neuro-Netzwerk dabei helfen?
Ulrich Wittenbeck:
Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung werden von vielen verschiedenen Experten betreut und behandelt. Und obwohl es gewünscht ist, fehlt den Fachleuten häufig die Zeit und der Rahmen zum Austausch. Daraus ergeben sich Schnittstellenprobleme, wie zum Beispiel bei der Versorgung mit Hilfsmitteln und dem Empfehlen von bestimmten Therapien. Mit dem Neuro-Netzwerk wollen wir Zeit und Raum für diesen Austausch schaffen. Zur Gründungsveranstaltung haben wir deshalb Fachleute aus verschiedenen Berufsgruppen, die in der neurologischen Versorgung von Menschen mit erworbener Hirnschädigung (MeH) im Großraum Nürnberg tätig sind eingeladen. Das sind zum Beispiel Ärzte und Therapeuten, aber auch Experten aus dem Bereich der beruflichen Rehabilitation. Nicht nur für unsere Beratungsstelle ist es wichtig, Teil dieses Netzwerks zu sein. Alle im Netzwerk gewinnen damit einen besseren Überblick, welche Angebote es im Großraum Nürnberg bereits gibt. Durch den persönlichen Kontakt haben die Teilnehmer_innen dann auch die Möglichkeit, sich bei speziellen Fragen zur Reha oder medizinischen Details auf dem kurzen Dienstweg Infos für die Klient_innen einzuholen. Das Ziel ist eine bessere Versorgung der Betroffenen.

Frau Wanka: Das klingt, als laufe die Versorgung aktuell nicht gerade optimal?
Katrin Wanka:
Es besteht tatsächlich Verbesserungsbedarf. Es gibt zu wenig Wohn- und Arbeitsangebote speziell für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung. Viele, die einen Unfall oder einen Schlaganfall hatten, müssen ihr Leben komplett neu gestalten. Es fällt ihnen schwer mit der neuen Situation klarzukommen. Heute haben sie noch als Küchenmeister, Architekt oder Steuerberater gearbeitet und nach der Reha sollen sie dann unter Umständen in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung anfangen. Da braucht es einfach mehr spezialisierte Möglichkeiten. Unsere Klient_innen vergleichen ihr jetziges Leben mit dem vor dem Unfall. Oftmals schätzen sie ihre Fähigkeiten krankheitsbedingt viel höher ein, als sie tatsächlich sind. Dies ist für eine passgenaue Versorgung von großer Relevanz.

Herr Wittenbeck: Wie könnten gute Wohn- und Arbeitsangebote aussehen?
Ulrich Wittenbeck:
Es sollten Angebote entstehen, die den speziellen Bedarfen von Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung entsprechen. Die Rummelsberger Diakonie hat in Altdorf bereits ein besonderes Wohnangebot für Menschen mit einer erworbenen Hirnschädigung geschaffen sowie eine Fördergruppe in der Talentschmiede Altdorf. Im Haus Mamre in Rummelsberg soll eine weitere Wohngruppe mit 10 neuen Plätzen entstehen. Nur reichen die Plätze längst nicht aus, um dem Bedarf gerecht zu werden.

Weitere Informationen zur Beratungsstelle für Menschen mit erworbener Hirnschädigung Mittelfranken der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg: rummelsberger-diakonie.de/beratung-meh

Von: Heike Reinhold

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Katrin Wanka von der Beratungsstelle für Menschen mit erworbener Hirnschädigung Mittelfranken der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg. Foto: Anton Dietzfelbinger Ulrich Wittenbeck von der Beratungsstelle für Menschen mit erworbener Hirnschädigung Mittelfranken der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg. Foto: Anton Dietzfelbinger