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03.06.2020

„Das Engagement der Angehörigen ist sehr wichtig“

Wie sich das Leben im Stephanushaus der Rummelsberger Diakonie während des Besuchsverbots in der Corona-Krise verändert hat.

Rummelsberg – In den vergangenen Wochen und Monaten war es still im Stephanushaus. Keine Ehepartner und Kinder spazierten lachend durch die Eingangshalle auf dem Weg zu ihren Lieben. Wegen der Corona-Pandemie durften Senioreneinrichtungen knapp zwei Monate lang nicht besucht werden. Zwar haben die Mitarbeiter_innen der Einrichtung der Rummelsberger Diakonie versucht, Kontakt beispielsweise per Videotelefonie zu ermöglichen, aber die fehlende Nähe konnte das nicht ersetzen. So wichtig und richtig diese Schutzmaßnahmen auch waren: Das Besuchsverbot war für viele Senior_innen und Angehörige schwer zu ertragen. Kathrin Eibisch, stellvertretende Einrichtungsleiterin, erzählt:

Frau Eibisch, wie hat sich die Stimmung im Haus in den vergangenen Wochen verändert?
Kathrin Eibisch:
Im Stephanushaus wird immer viel gescherzt und gelacht. Die Kolleg_innen untereinander, mit den Bewohner_innen und den Angehörigen. In den vergangenen zwei Monaten hat sich das Klima hier in der Einrichtung schon verändert. Viele Senior_innen sind stiller geworden, waren in sich gekehrt. Das hat mir leid getan für die alten Menschen. Viele haben ihre Angehörigen sehr vermisst.  

Was haben Sie getan, um den alten Menschen Kontakt zu ermöglichen?
Kathrin Eibisch:
Wir pflegen schon immer einen regen Austausch mit den Angehörigen. Ich bin immer froh über Feedback und versuche die Anregungen auch aufzunehmen. Und wenn man ein vertrauensvolles Verhältnis hat, dann kommen die Menschen auch und sprechen über ihre Sorgen. Während des Besuchsverbots hatten wir viele Angehörige am Telefon, die sich nach ihren Lieben erkundigt haben. Ich habe immer offen informiert und manchmal auch ein Auge zugedrückt. Wenn es mit der Videotelefonie nicht geklappt hat, dann haben wir das Stationstelefon in die Zimmer getragen und so Gespräche ermöglicht. Und wir haben auch immer nach Wegen gesucht. Ein älterer Mann musste seine Frau mit einer schweren Nervenerkrankung ins Stephanushaus geben. Er ist noch berufstätig und konnte die Pflege daheim nicht mehr leisten. Aber er kam seine Frau jeden Tag besuchen. An dem Besuchsverbot wäre er fast zerbrochen. Ob das jetzt erlaubt war oder nicht. Wir haben seine Frau dann in den Wintergarten geleitet und die beiden konnten sich durch die Scheiben anschauen. Das hat ihnen geholfen. 

Das klingt, als hätten Sie auch ihr Herz sprechen lassen. Haben Sie Rückmeldungen bekommen?
Kathrin Eibisch:
Viele haben sich bei uns bedankt. Und ein Herr hat sogar geschrieben, dass er eben Sorge hatte, dass sich der Zustand seiner Tante verschlechtert haben könnte. Als seine Mutter und er dann die Tante wieder besuchen konnten, waren sie so positiv überrascht. Wir freuen uns sehr, dass mit den Besuchern wieder mehr Leben in unser Stephanushaus eingekehrt ist. Und dass wieder gelacht wird.

Wie wichtig ist das Engagement der Familienmitglieder?
Kathrin Eibisch:
Die Angehörigen sind für uns eine wertvolle Unterstützung und sie gehören im Stephanushaus mit dazu. Die älteren Damen und Herren genießen den Besuch und die Gespräche. Und auch die Umarmungen, Berührungen und die Nähe eines vertrauten Menschen. Wir alle haben uns gefreut über die Anerkennung und den Dank, den wir Pflegekräfte in den vergangenen Wochen von allen Seiten für unsere Arbeit erhalten haben. Aber wir dürfen die Angehörigen nicht vergessen. Das Engagement der Angehörigen ist sehr wichtig für die Senior_innen. Nachdem das Besuchsverbot Anfang Mai gelockert worden war, haben wir gleich noch zum Muttertag unser Besucherzelt aufgebaut. Das steht auch weiterhin im Garten, damit möglichst viele Bewohner_innen ihre Lieben sehen können. Außerdem haben wir inzwischen im Foyer Besucherecken eingerichtet.

Viele Angehörige helfen beim Essen oder machen die älteren Familienmitglieder auch mal fertig fürs Bett. Hat die Unterstützung während der Corona-Pandemie gefehlt?
Kathrin Eibisch:
Es ist natürlich schön, wenn die Familienmitglieder sich die Zeit nehmen und mit den alten Menschen Kaffee trinken oder der Oma die Haare kämen, wenn sie es sich wünscht. Aber auch ohne ehrenamtliches Engagement müssen die Bewohner betreut werden. Daher ist die Arbeit unserer professionellen Pflegekräfte davon unberührt. So gab es bisher während der Corona-Krise im Stephanushaus auch keinen Personal-Engpass. Unsere Bewohner_innen waren immer gut versorgt und liebevoll umsorgt.

Von: Heike Reinhold

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Kathrin Eibisch, stellvertretende Leiterin des Stephanushauses in Rummelsberg, bedankt sich bei den Angehörigen für ihr Engagement. Fotos: Heike Reinhold