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Die Rummelsberger

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01.04.2019

Die Willensstarke

Die Förderstätten und Werkstätten der Rummelsberger Diakonie heißen seit Kurzem Talentschmiede. Denn sie sind Orte, an denen jeder seine Talente entdecken und entwickeln kann. So wie Anna Barth, die im Bereich Aktenvernichtung der Talentschmiede Altdorf arbeitet.

Altdorf – „Ich wollte arbeiten“, sagt Anna Barth, die sich mit Worten nur schwer mitteilen kann. Vor gut zwei Jahren äußerte sie den Wunsch, in der Aktenvernichtung der Talentschmiede Altdorf zu arbeiten. So heißen die Wichernhaus-Werkstätten der Rummelsberger Diakonie seit Kurzem. Anna Barth besuchte zuvor die Förderstätte im Wichernhaus. Den Wechsel schaffte die 38-Jährige nur Dank ihres starken Willens.

Die Arbeit der Aktenvernichtung kannte Anna Barth bereits aus der Förderstätte. Dort gibt es eine Fördergruppe mit dem Schwerpunkt Arbeit. Die Teilnehmenden erledigen die gleiche Arbeit wie die Kolleginnen und Kollegen der Werkstatt, zum Beispiel einfache Montagetätigkeiten. Anna Barth machte zudem ein Praktikum im Bereich Aktenvernichtung der Werkstatt. So wuchs nach und nach der Wunsch, ganz dorthin zu wechseln. „In der Fördergruppe kann sich jeder ausprobieren, der Interesse an Arbeit hat“, sagt Florian Schmidt vom Fachdienst. Er begleitete Anna Barth beim Wechsel, half bei organisatorischen Dingen und kümmerte sich um die nötigen Beantragungen.

„Von den Fähigkeiten her war Anna schon seit einiger Zeit in der Lage, in der Werkstatt zu arbeiten“, sagt Florian Schmidt. Doch die 38-Jährige musste erst das nötige Selbstvertrauen gewinnen. „Sie hat sich in der Förderstätte entfaltet, bis sie für den Wechsel so weit war“, sagt Schmidt. Er beschreibt damit auch das Ziel der Talentschmiede: Die Beschäftigten können dort ihre Fähigkeiten entdecken und entwickeln.

„Wir haben unsere Werkstätten und Förderstätten umbenannt, weil wir der Überzeugung sind, dass jeder Talente hat, die entdeckt und gefördert werden können“, sagt Volker Deeg, fachlicher Leiter der Behindertenhilfe. „Manchmal braucht es nur jemanden, der sie entdeckt. Und manchmal braucht es jemanden, der hilft, die eigenen Talente auszubauen und an sich selbst zu glauben.“ Die Rummelsberger Diakonie will, dass ihre Förderstätten und Werkstätten Orte sind, wo dies möglich ist. „Doch jeder entscheidet selbst, ob und wie er sich weiterentwickeln möchte“, betont Deeg.

Die Mitarbeitenden in der Talentschmiede Altdorf begleiteten Anna Barth und zogen sich schrittweise immer weiter zurück, so dass die 38-Jährige selbstständiger werden konnte. „Der Wille war irgendwann stark genug, dass es funktioniert hat“, sagt Florian Schmidt zu dem Wechsel von der Förderstätte in die Werkstatt.

Damit gingen für Anna Barth auch einige Veränderungen einher. Die Arbeit in der Werkstatt gleicht einem normalen Beschäftigungsverhältnis. Die Mitarbeitenden erhalten Lohn und können ihren Urlaub frei planen. Sie müssen sich dazu aber selbst organisieren. Außerdem sind die Pausen kürzer und es gibt keine Neigungsgruppen, wie sie in der Förderstätte immer am Nachmittag angeboten werden. Anna Barth besuchte zum Beispiel die Geld-Gruppe, in der gezählt und gerechnet wurde. Der Abschied aus der Förderstätte fiel der 38-Jährigen deshalb schwer, auch wegen der Mitarbeitenden und anderen Teilnehmenden, die sie nun nicht mehr so häufig sieht. Aber dennoch ist sie glücklich über den Wechsel, den sie geschafft hat. Und sie ist stolz auf ihren starken Willen.

Von: Claudia Kestler

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Anna Barth (rechts) geht gerne zur Arbeit. Sie entfernt Metallclips aus alten Akten, die in der Talentschmiede Altdorf vernichtet werden. Mitarbeiterin Maja Troidl bringt ihr Nachschub. Foto: Simon Malik