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Die Rummelsberger

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25.03.2019

Ein Ort, um sein Talent zu entdecken

Die Werkstätten und Förderstätten der Rummelsberger Diakonie heißen seit Kurzem Talentschmiede. Rebecca Steinmeyer hat in der Wäscherei und Näherei der Talentschmiede Altmühltal gefunden, was sie braucht: Sicherheit, Verlässlichkeit und ein tolles Team.

Treuchtlingen – Rebecca Steinmeyer wollte auf keinen Fall in einer Werkstatt für Menschen mit Behinderung arbeiten und erst recht nicht in einer Wäscherei. Jetzt sortiert sie Wäsche, bügelt und faltet sie und kann sich nichts anderes mehr vorstellen. „Ich will hierbleiben“, sagt die 26-Jährige, die seit drei Jahren in der Talentschmiede Altmühltal arbeitet. So heißen die Altmühltal-Werkstätten der Rummelsberger Diakonie in Treuchtlingen seit Kurzem.

„Wir haben unsere Werkstätten und Förderstätten umbenannt, weil wir der Überzeugung sind, dass jeder Talente hat, die entdeckt und gefördert werden können“, sagt Volker Deeg, fachlicher Leiter der Behindertenhilfe. „Manchmal braucht es nur jemanden, der sie entdeckt. Und manchmal braucht es jemanden, der hilft, die eigenen Talente auszubauen und an sich selbst zu glauben.“ Die Rummelsberger Diakonie will, dass ihre Förderstätten und Werkstätten Orte sind, wo dies möglich ist. „Doch jeder entscheidet selbst, ob und wie er sich weiterentwickeln möchte“, betont Deeg.

Rebecca Steinmeyer kannte aus Besuchen eine Werkstatt für Menschen mit Behinderung. „Ich habe mich dort unwohl gefühlt“, sagt die junge Frau. Deshalb konnte sie sich auch zunächst eine Beschäftigung in der Talentschmiede Altmühltal nicht vorstellen. „Es stand auf der Kippe“, sagt Elisabeth Grimm vom Fachdienst der Werkstatt. „Rebecca war krank und hatte Bauchschmerzen, weil sie nicht hier sein wollte“, so Grimm. Die beiden Frauen setzten sich für Gespräche zusammen.

„Es hat seine Zeit gebraucht, bis ich mich eingewöhnt habe“, sagt Rebecca Steinmeyer rückblickend. „Rebecca braucht Sicherheit und Menschen, auf die sie sich verlassen kann“, sagt Heike Krach, Gruppenleiterin der Wäscherei und Näherei. Beides fand die 26-Jährige in der Werkstatt. „Ich habe hier die richtigen Leute gefunden. Es ist ein tolles Team“, stimmt Rebecca Steinmeyer zu.

Die junge Frau besuchte zunächst – wie jeder andere neue Werkstattmitarbeiter – für drei Monate das Eingangsverfahren. „In dieser Zeit wird geschaut, ob die Werkstatt der richtige Ort für den Menschen ist und welche Fähigkeiten oder Hilfebedarfe er hat“, sagt Heike Krach, die in der Talentschmiede Altmühltal auch Berufsbildungsbegleiterin ist.

Es folgt der Berufsbildungsbereich. Die Beschäftigten lernen in dieser Zeit die verschiedenen Werkgruppen kennen. Zwei Vormittage in der Woche besuchen die Teilnehmenden theoretischen Unterricht, zum Beispiel zu Allgemeinwissen oder Sozialverhalten. Ein weiterer Vormittag pro Woche ist für Projekte reserviert. Hinzu kommen externe Praktika bei Unternehmen in der Region. Der Ablauf und die genaue Gestaltung des Berufsbildungsbereichs werden individuell mit jedem Teilnehmenden vereinbart.

Praktika in verschiedenen Bereichen

Rebecca Steinmeyer wollte zum Beispiel keine externen Praktika machen. Bevor sie in die Talentschmiede Altmühltal kam, machte sie über den Integrationsfachdienst der Bundesagentur für Arbeit Praktika in verschiedenen Bereichen. Diese scheiterten immer wieder aus verschiedenen Gründen. Eine schwierige Zeit für Rebecca Steinmeyer. Sie entwickelte Ängste: vor dem beruflichen Scheitern und vor fremden Situationen.

In dieser Zeit machte die 26-Jährige auch ein Praktikum in einer Wäscherei. Doch daran hat sie keine guten Erinnerungen. „Mir wurde nichts zugetraut“, sagt Rebecca Steinmeyer. Deshalb wollte sie auch in der Talentschmiede Altmühltal nicht in der Wäscherei arbeiten.

Doch dann half sie ein paar Mal aus und merkte, dass es dort ganz anders war als bei ihren bisherigen Erfahrungen. Durch den Berufsbildungsbereich gewann Rebecca Steinmeyer Sicherheit und immer mehr Selbstbewusstsein. „Am Ende wird geschaut: Was möchte der Einzelne machen, was kann er gut?“, sagt Heike Krach. Das ist auch die Idee hinter dem Namen Talentschmiede. Rebecca Steinmeyer entdeckte, dass sie gerne näht. So arbeitet sie nun in der Wäscherei und Näherei der Werkstatt.

Nach und nach lernte die 26-Jährige die großen Trockner, die Bügelmaschine und die Nähmaschinen zu bedienen. Von den sieben Beschäftigten in diesem Bereich ist Rebecca Steinmeyer die einzige, die alle Maschinen einstellen kann. Mindestens einmal in der Woche arbeitet sie in der Näherei. Dort werden die Kleidungsstücke mit Namen versehen, ausgebessert und auch Eigenprodukte hergestellt, die im Laden in der Talentschmiede Altmühltal und auf Märkten verkauft werden. Eine Beschäftigte schneidet gerne Stoff zu. Rebecca Steinmeyer näht die Stoffteile selbstständig zusammen. So entstehen zum Beispiel Taschen oder Hüllen für Luftballons. Die 26-Jährige bringt auch ihre eigenen Ideen ein. Eine kleine Tasche hat sie selbst entworfen und produziert. Diese ist nun fester Bestandteil des Sortiments. „Das hätte ich mir am Anfang nie vorstellen können“, sagt Rebecca Steinmeyer.

Doch die Mitarbeiterinnen in der Wäscherei und Näherei sahen, was die junge Frau alles kann. Sie bestärkten sie. Inzwischen gehört die 26-Jährige fest zum Team. Sie wurde zur Frauenbeauftragten gewählt und ist Mitglied im Werkstattrat. Beides schien vor drei Jahren noch unvorstellbar. Für die Zukunft hat Rebecca Steinmeyer im Moment nur einen Wunsch: „Dass es so gut weiterläuft.“

Von: Claudia Kestler

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Rebecca Steinmeyer (gestreifter Pullover) hat in der Talentschmiede Altmühltal Verlässlichkeit und ein tolles Team gefunden. Foto: Simon Malik