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21.09.2018

Eine Heimat gefunden

Ehemalige Helfer treffen sich in Rummelsberg zum Austausch

 Rummelsberg – Zwischen 1939 und 1969 haben rund 280 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren die sogenannte Helferausbildung in Rummelsberg durchlaufen. 40 von ihnen haben sich diese Woche in Rummelsberg zum jährlichen Helfer-Treffen eingefunden.

"Seit vier Jahren treffen wir uns jedes Jahr und es gelingt mir, immer mehr der ehemaligen Helfer ausfindig zu machen. Wir werden eine immer größere Gruppe“, freut sich Rudi Rathfelder, der Initiator der jährlichen Treffen. Auch er hatte die Helferausbildung von 1956 bis 1959 durchlaufen, war danach zur Bundeswehr gegangen. Den Kontakt zu Rummelsberg hat er nie verloren: Seit einigen Jahren ist er nun Mitglied der Brüderschaft und arbeitet gemeinsam mit den anderen ehemaligen Helfern die Geschichte auf.

„Mit Rummelsberg verbinden wir viele tolle, aber auch schwierige Erinnerungen“, erklärt Rathfelder die zwiespältigen Gefühle, die viele der Männer haben, als sie am Dienstag in der Philippuskirche zum Gottesdienst zusammenkamen, den Diakon Martin Neukamm, Leiter der Brüderschaft, gestaltete. Anschließend stellten sich die ehemaligen Helfer einander vor. „Es sind jedes Jahr einige neue dabei, es treffen sich auch viele Menschen wieder, die sich seit vielen Jahrzehnten nicht gesehen haben“, leitete Rathfelder diese Vorstellungsrunde ein.

Aus Nürnberg, Freiburg, Heidelberg, aber auch aus Brasilien sind die Männer, teilweise mit Ehefrauen, angereist. „Seit 52 Jahren sind meine Frau und ich jetzt als Entwicklungshelfer in Brasilien. Wir haben uns so gefreut, dass wir zu diesem Treffen kommen konnten – aber übermorgen fliegen wir nach Hause und kommen nicht mehr zurück“, erzählt Friedrich Gierus aus seinem bewegten Leben. Auch er hatte die Helferausbildung gemacht, wurde dann aber nicht wie gewünscht im Ausland eingesetzt – also wechselte er zur „Mission Eine Welt“, um seinen Lebenstraum wahr werden zu lassen.

Kirchenmusiker, Krankenpfleger, Diakone – viele, die die Helferausbildung gemacht haben, wählten später einen sozialen Beruf. Nicht alle sind Rummelsberg verbunden geblieben. Nur rund 90 haben die Ausbildung zum Diakon gemacht. „Ich feiere dieses Jahr mein siebzigstes Diakonenjubiläum“, erzählt Diakon Alfred Schöps stolz. Er hatte bereits 1948 mit der Helferausbildung begonnen und ist damit der „Dienstälteste“ unter den Anwesenden. Auch der jüngste Anwesende ist bereits im Ruhestand – Diakon Gerhard Nidetzky hat in Rummelsberg seine Heimat gefunden. „Sogar für nach dem Tod haben wir vorgesorgt und uns schon mal einen Baum auf dem Naturfriedhof ausgesucht“, erzählt der 67-Jährige.

Die nächsten Tage stehen ganz im Zeichen des Austauschs. Gemeinsames Essen, Andacht, aber auch Besuche im Wichernhaus in Altdorf und im Berufsbildungswerk in Rummelsberg stehen auf dem Programm. Sehen, was sich in Rummelsberg verändert hat, wie der Träger und die Brüderschaft heute arbeiten: Das ist Rudi Rathfelders Wunsch für die anwesenden Helfer: „Nicht alle Erinnerungen an Rummelsberg sind positiv. Aber durch das vor einigen Jahren gemeinsam herausgegebene Buch und die gemeinsame Aufarbeitung kann für viele ehemalige Helfer die Geschichte friedlich zu Ende gehen.“

Von: Diakonin Arnica Mühlendyck

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