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10.10.2019

Einsam trotz vieler Freunde

Frauentag der Rummelsberger Brüderschaft über Einsamkeiten und Gemeinsamkeiten

Wir sind vernetzt, haben mit Internet, Mobiltelefon und Social Media so viele Möglichkeiten wie noch nie, um mit anderen – weltweit und live - zu „kommunizieren“, wie man heute so schön sagt. Trotzdem nimmt die Vereinsamung in unserer Gesellschaft zu, nicht nur bei alten Menschen, auch bei jungen. Unter der Überschrift „Von Einsamkeiten und Gemeinsamkeiten“ befassten sich die Frauen der Rummelsberger Brüderschaft auf ihrem Jahrestreffen mit den veränderten Beziehungen und den daraus erwachsenden Problemen.

„Freunde findet man leicht“, zitierte Cornelia Coenen-Marx einen elfjährigen Jungen mit virtuellen „Freunden“ bei Facebook und anderen Medien. Schon dieser Satz verdeutlicht, wie grundlegend sich unser Miteinander verändert hat. Als Referentin – Coenen-Marx ist Pastorin und Autorin, zudem Inhaberin der Agentur „Seele und Sorge“ – sprach sie über das komplexe Thema „Gemeinschaft in einer individualisierten Gemeinschaft“. Diverse Arbeitsgruppen und Angebote, Andachten, Raum für Begegnungen ergänzten das Programm des Wochenendes. „Gemeinschaft VielStimmig“ – wie schön es klingt, wenn viele Frauen gemeinsam Singen, konnte man beim Abendprogramm mit der Sängerin Renate Kaschmieder in der Philippuskirche hören.

Im Rummelsberger Tagungszentrum zeichnete Coenen-Marx anschaulich ein Bild unserer Gesellschaft, die vor allem berufliche Mobilität, Zeitdruck und Ökonomie prägen. Als Folge daraus verändern sich Lebenswelten und Bindungen werden locker. Die Mehrheit lebe nicht mehr in Familienhaushalten, stellte die Pastorin fest, sondern als Single. Individualisierung – auf der einen Seite mit Vorteilen wie Freiheit, Selbstbestimmung, Kontrolle. Auf der anderen stehen: Auflösung der Traditionen des Miteinanders wie Familien, Ehe, Nachbarschaft, zudem der Geschlechterrollen und Biografien (Disembedding). „Bedrohlich“, nannte das die Pastorin, „es gibt Halt, wenn man sich einordnen kann.“ Solche grundlegenden Umgestaltungen hätten ebenso Auswirkungen auf Sozialformen, Glauben und Religion. Leben, Arbeit und Glaube seien auseinander gefallen und jeder Bereich verändere sich rasant. Solche Umbrüche habe es schon früher gegeben, erinnerte Coenen-Marx, beispielsweise zur Zeit der Industrialisierung. Tröstend, dass sich Gegenbewegungen zu diesen Trends bilden und immer stärker aktiv werden. Alte Modelle kämen zurück, so die Referentin, beispielsweise Tafeln, Werkstätten und Stuben. In der Marktgesellschaft, in der alles der Ökonomie unterworfen sei, müssten wir wieder lernen, Hilfe zu geben, sie anzunehmen und Beziehungen zu gestalten. Letztere entstünden, wo wir einander helfen – weil uns das gut tut.

In seiner Predigt im Festgottesdienst in der Philippuskirche thematisierte Rektor Dr. Günter Breitenbach ebenfalls das Erleben von Gemeinschaft - wenn man hinaus ins Unbekannt geht und bei Fremden Gastfreundschaft erfährt. Damit und mit der anschließenden Tischgemeinschaft beim Mittagessen im Brüderhaus endete dieses Wochenende der gelebten Gemeinschaft.

Von: Dorothée Krätzer

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Wir leben in Zeiten der grundlegenden Umgestaltung – Pastorin Cornelia Coenen-Marx bei ihrem Referat im Rummelsberger Tagungszentrum. (Foto: Krätzer)