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01.07.2019

Gemeinsam gegen den Wohnungsmangel

Beim Fachtag Wohnen der Rummelsberger Diakonie berichteten Experten, wie sie Wohnungen schaffen in Zeiten des Wohnungsmangels

Nürnberger Land – Überall in Deutschland ist es in der Nähe von Ballungsräumen nicht einfach, eine Wohnung zu finden, die den eigenen Vorstellungen entspricht. „Das gilt besonders für Menschen mit einer Behinderung, wenn sie bezahlbare und barrierefreie Wohnungen brauchen“, beschreibt Behindertenbeauftragte Angelika Feisthammel die Wohnsituation im Nürnberger Land. Wie man für Zielgruppen mit besonderen Bedürfnissen trotzdem Wohnraum schaffen kann, davon haben Wolfgang Pritsching von der Sozialbehörde der Stadt Hamburg und Hans-Willi Pastors von der Evangelischen Stiftung Hephata in Mönchengladbach beim Fachtag Wohnen der Rummelsberger Diakonie im Berufsbildungswerk Rummelsberg berichtet.

Herr Pritsching, Hamburg ist für seinen Wohnungsmangel regelrecht berüchtigt. Wie schaffen Sie es, Wohnungen für Menschen zu bauen, die Unterstützung von der Sozialbehörde brauchen?

Wolfgang Pritsching: Das Amt für Familie in Hamburg hat für junge Menschen nach Beendigung der Erziehungshilfe hierzu einen Masterplan entwickelt. Ziel ist es, dass Jugendliche und junge Erwachsene, die keinen Platz in einer Erziehungshilfeeinrichtung mehr benötigen, eine eigene Wohnung anmieten können. Unser Konzept „Hier wohnt Hamburgs Jugend“ kann dann angewandt werden, wenn die Stadt ihre eigenen Liegenschaften vermarktet. Die Bauherren und Investoren verpflichten sich dann, kleine Einzimmerwohnungen zu bauen. Die Mietpreise entsprechen dem sozialen Wohnungsbau. Die Vergabe der Wohnungen erfolgt über Mietervorschläge der Jugendämter, denn sie kennen die jungen Menschen oft über viele Jahre. Die Mietverträge werden unbefristet abgeschlossen. Frei werdende Wohnungen werden wiederum nur über die Jugendämter vergeben. Mittlerweile hat sich „Hier wohnt Hamburgs Jugend“ in Hamburg etabliert. In allen sieben Bezirken bestehen Planungen für 140 neu zu bauende Wohnungen. In 2017 wurden die ersten Wohnungen bezogen und für 2019 kommen weitere 32 Wohnungen in die erstmalige Vermietung. Besonders wichtig ist es, dass es in den Hamburger Bezirken eine enge Zusammenarbeit der Bau- und Sozialdezernate in Fragen der Stadt- und Quartiersentwicklung gibt. Ziel ist es, dass weitere Liegenschaften zur Verfügung gestellt werden können.

Und das klappt?

Wolfgang Pritsching: Ja, die Bauträger, Investoren und Vermieter nehmen das Konzept an. Jungen Menschen und Vermietern stellen wir konzeptionelle Unterstützungsangebote zur Verfügung. Neu für Hamburg ist auch das Angebot Jugendwohnen nach § 13.3 Sozialgesetzbuch VIII. Inzwischen gibt es zwei Einrichtungen, in denen 78 junge Menschen, darunter sind auch viele junge Geflüchtete, wohnen. Eine weitere Einrichtung mit 150 Appartements soll 2021 eröffnet werden. Vorbild sind die Einrichtungen des Studierendenwerkes. Gebaut werden Einzimmerappartements unter 25 Quadratmetern. Die Bewohner sind in Berufsausbildung oder sie qualifizieren sich schulisch oder beruflich.

Herr Pastors, die Stiftung Hephata schafft im Rheinland Wohnraum für Menschen mit Behinderung. Wie fangen Sie das an?

Hans-Willi Pastors: Wir arbeiten eng mit den Eltern der künftigen Kundinnen und Kunden zusammen. Wenn sich Elterninitiativen direkt an uns wenden, überlegen wir gemeinsam, welche Wohnmöglichkeiten für die jungen Erwachsenen gewünscht und sinnvoll sind. Über den Prozess des Kennenlernens bauen wir wechselseitiges Vertrauen auf, das für eine weitere Zusammenarbeit sehr unterstützend wirkt. Um bezahlbaren Wohnraum zu finden, nutzen wir bereits bestehende Kontakte zu Kirchengemeinden oder suchen direkt den Weg zum Bürgermeister. Ein guter Zeitpunkt ist, wenn ein neues Baugebiet ausgewiesen wird. Dann können wir uns direkt an die Bauträger wenden und die Wünsche und Bedürfnisse vorstellen.

Welche Wohnformen bieten Sie an?

Hans-Willi Pastors: Eine sehr stark nachgefragte Wohnform ist die ambulant betreute Wohngemeinschaft. Hier leben zum Beispiel acht Menschen mit Behinderung in ihrer eigenen autarken Wohnung, allerdings mit weiteren sieben Mitbewohnern in einem Haus, selbstbestimmt, jedoch nicht allein. Zusätzlich gibt es Gemeinschaftsräume sowie eine Wohnung für den Betreuungsdienstleister. Jede Mieterin und jeder Mieter unterschreibt einen eigenen Mietvertrag mit dem Vermieter und mit uns als Dienstleister einen Betreuungsvertrag. Dieses Modell funktioniert sehr gut für Menschen mit unterschiedlichem Unterstützungsbedarf, da es Gemeinschaftsangebote gibt sowie Rückzugsmöglichkeiten in die eigene Wohnung.

Von: Heike Reinhold

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Die Referenten Wolfgang Pritsching (rechts) von der Sozialbehörde der Stadt Hamburg und Hans-Willi Pastors von der Evangelischen Stiftung Hephata in Mönchengladbach stellten am Fachtag „Wohnträume – Wohnräume“ der Rummelsberger Diakonie Konzepte vor, wie man auch in Zeiten des Wohnungsmangels Wohnungen für Menschen mit besonderen Bedarfen schaffen kann. Foto: Heike Reinhold