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27.12.2018

Gemischte Wohngruppe: Junge Flüchtlinge lernen voneinander

In Burgkunstadt leben in einer Wohngruppe Mädchen und Jungen zusammen. Das ist nicht selbstverständlich.

Burgkunstadt – Kartenspielen, kochen oder lernen – in der Wohngruppe für unbegleitete junge Flüchtlinge der Rummelsberger Diakonie in Burgkunstadt machen das seit Juni 2017 Mädchen und Jungen ganz selbstverständlich Seite an Seite. Damit ist die Wohngruppe eine der wenigen gemischten Gruppen für jugendliche Flüchtlinge in Bayern – und die Plätze sind begehrt. „Bei uns wohnen aktuell vier Mädchen, aber es sind weitere Anfragen da“, sagt Birgit Schumann, die bei der Rummelsberger Diakonie in Oberfranken für die Aufnahme von unbegleiteten minderjährigen Ausländern zuständig ist.

„Es ist normal“, sagt Hamda Ismael. Nur beim fernsehen wäre sie manchmal lieber nur unter Frauen, um es sich auf dem Sofa auch ohne Kopftuch bequem machen zu können, sagt die 18-jährige Muslimin. Doch der Fernseher steht im Gemeinschaftsraum. Sie und die anderen drei jungen Frauen haben jedoch einen Rückzugsbereich nur für sich im Obergeschoss des Mehrfamilienhauses in Burgkunstadt.

Die Mitarbeitenden der Rummelsberger Diakonie sind vom Konzept überzeugt. „Den Jugendlichen werden so die Geschlechterrollen der deutschen Gesellschaft vermittelt“, sagt Birgit Schumann. Schließlich seien sie zum Beispiel auch in der Schule zusammen. In ihren Heimatländern hätten die Mädchen oft gehorchen müssen, jetzt lernten sie, auch gegenüber Männern ihre Meinung zu vertreten, erklärt Schumann.

Christian Engelhardt, der schon seit Mai 2015 in der Wohngruppe arbeitet, findet, dass die Jungs durch den Einzug der Mädchen rücksichtsvoller geworden sind. „Es gibt Meinungsverschiedenheiten, aber nicht wegen des Geschlechts, sondern wegen alltäglichen Dingen, wie dem Fernsehprogramm“, sagt Engelhardt. Das Zusammenleben ist für alle selbstverständlich geworden. Die Jugendlichen helfen sich bei den Schulaufgaben oder gehen gemeinsam einkaufen.

Mit dem Angebot hat die Rummelsberger Diakonie auf die veränderte Nachfrage nach Wohnplätzen für junge Flüchtlinge reagiert. Während insgesamt die Anzahl der jugendlichen Flüchtlinge zurückging, nahm der Bedarf an Wohnplätzen für junge Frauen zu. In der Wohngruppe in Burgkunstadt leben derzeit fünf Jungen und vier Mädchen.

Von: Claudia Kestler

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In der Wohngruppe für junge Flüchtlinge in Burgkunstadt wohnen Mädchen und Jungen ganz selbstverständlich zusammen und verbringen gemeinsam ihre Freizeit. Foto: Claudia Kestler