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18.10.2018

Mehr Männer in KITAs

Psychologe Prof. Dr. Tim Rohrmann spricht darüber auf dem KITA-Kongress der ConSozial

„Ein Mann allein ist noch kein Qualitätsmerkmal“, stellt Prof. Dr. Tim Rohrmann klar. Der Psychologe und Erziehungswissenschaftler ist einer der Referenten auf dem KITA-Kongress der ConSozial. „Mehr Männer in KITAs – Wunschtraum oder Wirklichkeit?“ lautet der Titel seines Impulsvortrags am zweiten Kongresstag (08. November, 10.30 Uhr). Klar ist für den renommierten Wissenschaftler der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim: „Je vielfältiger Teams in Krippen und KITAs sind, desto besser. Es geht nicht darum, einen Alibimann in der Einrichtung zu haben, es sollte normal sein, dass dort Männer und Frauen arbeiten.“

Rohrmann ist Professor für Kindheitspädagogik an der HAWK. Er forscht seit mehr als 20 Jahren zum Thema Geschlechterverhältnisse und Männer in KITAs. Der Blick zurück zeigt: „Die Zahlen sind erheblich gestiegen.“ In Deutschland waren laut Statistischem Bundesamt 2017 35.088 Männer in KITAs und Horten beschäftigt, was einem Anteil von 5,85 Prozent entspricht. In Hessen lag der Männeranteil 2017 bei 7,87 Prozent, in Berlin und Hamburg bei mehr als 10 Prozent. In Bayern waren es 4,26 Prozent.

Als Grund für diesen trotz regionaler Unterschiede geringen Anteil wird oft die Höhe des Gehalts genannt. Das sieht Rohrmann differenziert: „In Großstädten mit hohen Lebenshaltungskosten wie München spielen die Löhne sicher eine Rolle.“ Ansonsten sieht er eher die Tatsache im Mittelpunkt, dass Erzieherin eine Geschichte als Frauenberuf hat. Die Frage, warum nicht mehr Männer in KITAs arbeiten, lässt sich also nicht pauschal mit finanziellen Aspekten beantworten. Vielmehr geht es um einen grundsätzlichen Wandel in der Zuständigkeit für die Kindererziehung.

„KITAs sind die erste gesellschaftliche Institution, mit der Kinder in Berührung kommen“, so Professor Rohrmann. „Im Idealfall sollten KITAs ein Abbild der Gesellschaft darstellen.“ Das bedeutet, dass in den Teams nicht nur Männer und Frauen arbeiten sollten, sondern zum Beispiel auch Fachkräfte mit Migrationshintergrund. „Am besten sind gemischte Teams, weil sie ein breites Spektrum an Lebenshintergründen und Erfahrungen mitbringen.“

Auch Mädchen brauchen männliche Fachkräfte

Das vielfach kolportierte Klischee von den Jungs in der KITA, die männliche Fachkräfte als Rollenvorbilder benötigen, weist Professor Rohrmann zurück. Diese These sei durch Studien nicht gedeckt. „Mädchen brauchen Männer genauso.“ Kinder unter zwei Jahren beispielsweise unterschieden gar nicht nach Geschlecht. Studien belegen, dass die Mehrheit der Eltern und auch der Mitarbeitenden Männern in Erziehungsberufen gegenüber offen sind.

Natürlich gebe es auch Eltern und Kolleginnen, die irritiert seien, wenn sie mit männlichen Fachkräften zu tun haben, sagt Rohrmann. Das hänge sehr von den eigenen Prägungen und Überzeugungen sowie vom kulturellen Hintergrund ab. „Der entscheidende Punkt ist, wie man in der Einrichtung mit Irritationen umgeht“, stellt Rohrmann klar. Für hochproblematisch hält er, wenn Vorbehalte gegenüber männlichen Kollegen entweder tabuisiert und nicht offen angesprochen werden oder wenn die KITA-Leitungen gar Sonderregelungen träfen, dass beispielsweise Erzieher nicht wickeln dürfen. „Die körperliche Beziehung gehört dazu“, so Rohrmann.

Erfahren Sie mehr über das Thema auf dem KITA-Kongress der ConSozial am 07. und 08. November 2018 in Nürnberg! Das Motto der erstmals zweitägigen Veranstaltung lautet „Gemeinsam stark“. Tickets gibt es online für 60 Euro (Tageskarte) bzw. 100 Euro (Dauerkarte).

Über die ConSozial

Die ConSozial ist die KongressMesse für Fach- und Führungskräfte des Sozialmarktes im deutschsprachigen Raum. Alljährlich im Herbst informieren sich mehr als 6.000 Fachbesucherinnen und Fachbesucher im Messezentrum Nürnberg an zwei Tagen über die neusten Entwicklungen und Trends der Sozialwirtschaft. Parallel findet der KITA-Kongress statt, der sich an Fach- und Führungskräfte von Kitas wendet. Die ConSozial wird vom Bayerischen Sozialministerium veranstaltet. Partnerinnen sind die Rummelsberger Diakonie, die Caritas Bayern und die NürnbergMesse.

 

Von: Andrea Wismath

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Maik Görtler (Mitte) ist Erzieher in der Krippe des RTL-Kinderhauses, einer Einrichtung der Rummelsberger Diakonie in Nürnberg. Foto: Andrea Wismath Professor Dr. Tim Rohrmann lehrt Kindheitspädagogik an der Hochschule für Angewandte Wissenschaft und Kunst Hildesheim. Foto: Artmann