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Die Rummelsberger

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13.02.2019

Mit Körperhaltung und fester Stimme gegen Aggressionen

Das Stephanushaus in Rummelsberg schult Mitarbeitende im Umgang mit Konflikten und Gewalt

Rummelsberg – Unter Bewohnerinnen und Bewohnern von Pflegeeinrichtungen kommt es immer wieder zu Aggressionen und Gewalt – zum Beispiel, weil das Schnarchen des Zimmernachbarn stört oder eine Erkrankung vorliegt, durch die der Mensch die Kontrolle über sich verliert. Laut dem Buch „Sichere Zuflucht Pflegeheim? Aggression und Gewalt unter Bewohnerinnen und Bewohnern stationärer Altenhilfeeinrichtungen“ der Deutschen Hochschule der Polizei sind rund 20 Prozent der Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen davon betroffen. Auch im Stephanushaus in Rummelsberg kam es schon zu Fällen von Aggression und Gewalt.

„Es ist nicht so, dass wir hier ein akutes Gewaltproblem haben“, sagt Einrichtungsleiter Diakon Werner Schmidt. „Aber gerade im beschützenden Bereich, in dem Menschen mit einer Demenz oder Alkoholerkrankung leben, kommt es immer wieder zu schwierigen Situationen.“ Die Einrichtung der Rummelsberger Diakonie hat deshalb ein Konzept zur Gewaltprävention entwickelt und sich damit beim Wettbewerb „Heimvorteil“ des Verbands der Ersatzkassen beworben. Mehr als 270 Projekte wurden eingereicht, 20 davon ausgezeichnet. Darunter auch das Stephanushaus. Als Preis erhielt die Einrichtung finanzielle Unterstützung bei der Umsetzung des Konzepts. „Wir haben drei Workshops mit Mitarbeitenden durchgeführt und drei Seminare folgen noch“, sagt Diakon Georg May, der das Konzept maßgeblich entwickelte.

„Durch Krankheiten wie Demenz ist es schwierig, mit den Betroffenen selbst zu arbeiten“, sagt May. „Deshalb wollen wir die Mitarbeitenden schulen, so dass sie im Ernstfall richtig reagieren können“, so der Diakon. Die drei Workshops fanden in Zusammenarbeit mit dem Kampfkunst-Club ARES aus Nürnberg statt. In Theorie und Praxis übten jeweils zehn Mitarbeitende, wie sie bei Aggressionen unter Bewohnern reagieren können, aber auch, wie sie sich selbst schützen können.

„Die Bewohnerinnen und Bewohner wissen nicht immer, was sie tun“, sagt Claudia Spotka, die seit sieben Jahren als Pflegehelferin im Stephanushaus arbeitet. „Ich habe zum Beispiel schon Aggressionen beim Anziehen erlebt, wenn der Bewohner es gerade nicht möchte, sich aber nicht anders ausdrücken kann“, sagt die 42-Jährige. Durch das Training fühlt sie sich sicherer. „Wir haben gelernt, dass man durch sein Auftreten schon deeskalieren kann“, so Spotka. Auch Roswitha Pister nahm viel aus dem Workshop mit. Als die 60-Jährige ihre Ausbildung zur Pflegefachkraft absolvierte, herrschte noch ein anderer Zeitgeist. „Der Kunde ist König und hat immer recht“, wurde ihr beigebracht. „Im Workshop habe ich gelernt, dass man sich wehren darf“, sagt Roswitha Pister. Natürlich dürfe dabei keine Gewalt zum Einsatz kommen und der Bewohner dürfe nicht verletzt werden. Doch die Teilnehmenden lernten Techniken, wie sie Angriffe abwehren können, ohne dem Angreifer zu schaden. Zum Beispiel, indem sie die Person mit ausgestreckten Armen auf Abstand halten und laut „Stopp“ rufen. Wesentlichen Einfluss haben allein schon Stimme, Körperhaltung, ein sicherer Stand und ein fester Blick. Ziel des Trainings war es, dass die Mitarbeitenden lernten, richtig zu reagieren, bevor es zu Konfliktsituationen kommt.

„Altenpflege kann herausfordernd sein. Wir wollten mit den Workshops den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern eine Hilfestellung geben“, sagt Diakon May. Im Februar, März und Mai sind zudem drei Seminare zum Umgang mit Konflikten geplant. Sie finden in Zusammenarbeit mit der Diakonischen Akademie der Rummelsberger Diakonie statt. „Unser Wunsch ist, dass alle Mitarbeitenden eine Schulung besuchen“, sagt May. Geplant ist außerdem, Mitarbeitende zu Deeskalationstrainern weiterzubilden. Diese können in schwierigen Situationen vermitteln und sind Ansprechpartner für alle weiteren Beschäftigten, die mit Aggressionen oder Gewalt konfrontiert sind.

Claudia Spotka und Roswitha Pister sind froh, dass sie am Workshop teilnehmen konnten. „Die Referenten haben das Thema mit Ernsthaftigkeit, aber locker und fröhlich vermittelt“, sagt Roswitha Pister. Die Pflegefachkraft möchte sich nun gerne weiter in diesem Bereich fortbilden.

Von: Claudia Kestler

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Roswitha Pister (rechts) wehrt in einer Übung einen Angreifer ab. Foto: Claudia Kestler