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Die Rummelsberger

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02.04.2019

Mitten im Leben statt abgeschoben

Kaum einer möchte in eine Pflegeeinrichtung ziehen. Zu groß ist die Angst vor Abgeschiedenheit. Anders im Rummelsberger Stift St. Lorenz in Nürnberg: Dort genießen die Seniorinnen und Senioren das Leben in der City.

Nürnberg – „Guten Tag, Frau Zeiler. Wie kann ich Ihnen helfen? Wollen Sie das mal anprobieren?“ Eva Zeiler geht gerne einkaufen, in ihrem Lieblingsladen ist sie mehrmals pro Woche. Dort begrüßt man sie schon mit ihrem Namen. Die 79-Jährige wohnt im Rummelsberger Stift St. Lorenz, nicht weit vom Hauptbahnhof. Nur drei der knapp 50 Nürnberger Pflegeeinrichtungen liegen in der Innenstadt. Dabei tut den Seniorinnen und Senioren das Leben mitten in der City sehr gut.

„Neulich sagte die Verkäuferin zu mir: ‚Sie kommen ja so oft, wohnen Sie hier in der Nähe?‘“, erzählt Eva Zeiler. Die Seniorin antwortete, dass sie nicht weit entfernt in einem Pflegeheim lebe. Dass es eine Pflegeeinrichtung in der Innenstadt gibt, wusste die Verkäuferin nicht. „Das konnte sie gar nicht glauben.“ Eva Zeiler lächelt, als sie diese Anekdote erzählt.

Die 79-Jährige sitzt im „Wiener Café“ des Rummelsberger Stifts St. Lorenz. Neben ihr nimmt ihre Freundin Mechthild Wildner Platz. Auch sie ist mit ihren 88 Jahren noch regelmäßig in der Innenstadt unterwegs, um einzukaufen, sich die Zeitung zu holen oder sich einfach nur zum Kaffee mit Freundinnen zu treffen. „In unserem Alter sollte man die Jahre, die einem noch bleiben, genießen“, meint Mechthild Wildner. Dazu gehört für sie auch die Eigenständigkeit, die sie sich auch Dank der zentralen Lage gleich neben dem Neuen Museum bewahren kann.

Ursprünglich kommt Mechthild Wildner aus Hessen, seit drei Jahren lebt sie in der Einrichtung in der Hinteren Sterngasse. Als ihr Mann verstarb, war sie plötzlich alleine. „Natürlich bekam ich nach seinem Tod Besuch – von der Familie, Freunden und Bekannten. Aber auch sie waren immer nur für wenige Stunden da. Ich war trotzdem einsam. Hier im Heim bin ich Teil einer großen Familie, und wenn ich für mich sein will, dann gehe ich einfach raus in die Stadt.“ Der Umzug nach Nürnberg war aus Sicht der 88-Jährigen auch wegen der Nähe zur Familie die richtige Entscheidung. Ihre Enkel und Urenkel wohnen in der Umgebung, ihrer Tochter gehört ein Geschäft in der Stadt.

Eva Zeiler hingegen ist gebürtige Nürnbergerin. Für sie bedeutet Stadtnähe, dass Freunde und Bekannte sie nach wie vor besuchen können und sie auch in der Pflegeeinrichtung vertraute Gesichter sieht. In der Gymnastikgruppe traf sie vor Kurzem die frühere Kinderärztin ihres Sohnes. Darüber freute sie sich sehr. Eva Zeiler zog nach dem Tod ihres Lebensgefährten ins Rummelsberger Stift St. Lorenz. Er verstarb sehr plötzlich und die Seniorin war auf einmal auf sich alleine gestellt. „Ich musste einfach wieder unter Menschen, um diese Trauer zu bewältigen“, sagt sie.

Vertraute Orte sind wichtig

Dass ein Pflegeheim nicht nur ein Wohnort ist, sondern auch ein Zuhause werden kann, weiß Diakon Hans Müller. Der Einrichtungsleiter des Rummelsberger Stifts erzählt, wie die Bewohnerinnen und Bewohner vom städtischen Umfeld profitieren: „Viele Senioren blühen hier regelrecht auf.“ Ehrenamtliche und Pflegekräfte besuchen in kleinen Gruppen regelmäßig die Lorenzkirche, Kultureinrichtungen und Cafés in der Umgebung. Vor allem für die gebürtigen Nürnbergerinnen und Nürnberger mit einer Demenzerkrankung sind vertraute Orte wertvoll und wichtig.

Auch wenn nur weniger als ein Viertel der rund 125 Bewohnerinnen und Bewohner des Rummelsberger Stifts noch selbstständig die Innenstadt besuchen, sei die zentrale Lage wichtig, sagt Diakon Hans Müller. Besuch käme einfach häufiger als in abgelegenen Einrichtungen. „Viele Angehörige kommen beispielsweise kurz nach der Arbeit oder in der Mittagspause vorbei. Auch die Anbindung an den Bahnhof spielt eine wichtige Rolle“, sagt Diakon Hans Müller. „Insgesamt lassen sich soziale Kontakte einfach leichter aufrechterhalten.“

Wie wohl sich die Freundinnen im Rummelsberger Stift St. Lorenz fühlen, ist auch für Diakon Hans Müller schön zu hören. Eva Zeiler erzählt von ihrem Krankenhausaufenthalt: Nach einigen Tagen habe sie den Ärzten gesagt, dass sie jetzt wieder heim wolle, es gehe ihr schon besser. Die Ärzte versuchten ihr zu erklären, dass es für sie nicht mehr möglich sei, allein zu leben. Da entgegnete sie: „Nein, nein, das haben Sie falsch verstanden. Das Heim ist mein Daheim. Dahin will ich zurück.“

Von: Lena Baumann und Beate Laurenti

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Mechthild Wildner (links) und Eva Zeiler genießen ihren Ruhestand im Stift St. Lorenz. Von dort aus spazieren sie gerne durch die Innenstadt. Foto: Beate Laurenti