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29. Juli 2021

„Nicht über den Kopf hinweg entscheiden“

Im Interview berichten die Eltern von Nicolas Wolf, wie gut sich ihr Sohn in den vergangenen Monaten in der ersten eigenen Wohnung entwickelt hat.

Lauf / Pegnitz – Jürgen und Andrea Wolf sind die Eltern von Nicolas. Im Interview erzählen sie, wie gut es ihrem Sohn in seiner eigenen Wohnung geht und ermuntern Eltern, für eine optimale Betreuung ihrer behinderten Kinder zu kämpfen.

Herr Wolf, wie geht es Nico in seiner neuen Wohnung?
Jürgen Wolf: Nach einer anfänglichen Phase der Eingewöhnung an die neuen Verhältnisse und an die neuen Betreuer*innen hat Nico nun einen guten Rhythmus gefunden. Er freut sich darauf, nach der Förderstätte in die Wohnung zu gehen, und auch nach dem Wochenende bei uns, fällt es ihm nicht schwer, ab Montag wieder in seiner eigenen Wohnung zu leben. Dazu trägt bei, dass die Betreuer*innen voll auf seine Wünsche eingehen können, die Nico mithilfe der gestützten Kommunikation und mit Schreibtafeln mitteilt.

Wie äußert er sein Wohlbefinden?
Andrea Wolf: Das ist nicht immer einfach zu sagen, weil Nicolas sehr viel mit Körpersprache und Mimik kommuniziert. Aber wenn es ihm gut geht, lacht und erzählt er viel, und singt ab und zu auch ein Lied. Wenn man ihn nach seiner momentanen Stimmung fragt, kann er diese über deuten auf Smileys oder Emojis mitteilen. Dass ihm die neue Wohnung und die Betreuungslösung gut tun, merkt man auch daran, dass er in den letzten Wochen kaum noch Nervenschmerzen hat, die früher sehr häufig und heftig waren.

Ist ihr Sohn stolz, dass er das Leben in der eigenen Wohnung meistert?
Andrea Wolf:
Ja natürlich! Man merkt es daran, dass er Besuchern sehr gerne seine Wohnung zeigt, und ganz stolz ist, wenn sie die schöne Wohnung bewundern. Man merkt seine Zufriedenheit auch an seiner Ausgeglichenheit und geringeren Nervosität in den letzten Monaten.

Welche Tipps können Sie anderen Eltern geben?
Andrea und Jürgen Wolf:
Es gibt nicht das Geheimrezept für die optimale Betreuung von Menschen mit Unterstützungsbedarf. Jeder hat verschiedene Wünsche und Anforderungen, danach sollte sich die Wohnlösung richten. Wichtig ist, dass Eltern oder Sorgeberechtigte nicht über den Kopf des behinderten Menschen entscheiden, sondern ihm Alternativen zur Wahl stellen und ihn nach seinen Wünschen fragen. Und dann gilt es, für diese Präferenz zu kämpfen, auch wenn manchmal hohe bürokratische Hürden im Weg stehen. Es gehört viel Ausdauer dazu, Hindernisse aus dem Weg zu räumen, aber wir können aus eigener Erfahrung sagen, dass sich diese Mühe lohnt.

Nicolas Wolf hat daheim viel zu lachen: Lesen Sie hier, wie sich der junge Mann in seiner ersten eigenen Wohnung sehr gut eingelebt hat. Mehr erfahren

Das Interview führte:

Von: Heike Reinhold

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Familie Wolf beim Spaziergang durch die Laufer Altstadt. Foto: Jürgen Wolf