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18.12.2019

Win-Win-Situation

Arbeiten nach dem Bewegungsmodell Kinaesthetics bringt viele Vorteile

„In unserem Arbeitsfeld sind Rückenleiden unter den häufigsten Gründen für eine Krankschreibung“, erzählt Margarethe Bühler, die Leiterin der Förderstätte am Auhof in Hilpoltstein, einer Einrichtung der Rummelsberger Diakonie für Menschen mit Behinderung. Sie wusste, dass in anderen Bereichen am Auhof das Bewegungsmodell Kinaesthetics schon erfolgreich eingesetzt wird und hatte auch einige Mitarbeitende, die in diesem Bereich schon Erfahrungen hatten. Grund genug, um Diakon Stephan Posse von der Diakonischen Akademie, der Fortbildungsinstitut der Rummelsberger Diakonie, 2016 zu bitten, einen ersten Kurs für Mitarbeitende in der Förderstätte anzubieten – dem seitdem weitere gefolgt sind. „Die Anwendung von Kinaesthetics wirkt sich auf alle Lebensbereiche aus“, berichtet Margarethe Bühler. „Wenn der Rücken weh tut, dann ist den Mitarbeitenden jetzt klar: Ich mache etwas falsch. Aber auch auf die Klientinnen und Klienten hat das Auswirkungen. Viele sind weniger angespannt, sie sitzen aufrechter und sogar mit dem Essen ist es bei einigen besser geworden. Diese Erfolgserlebnisse: Das wirkt sich aufs Arbeitsklima aus.“

Irma Schmidt und Melanie Luthardt, die beide in der Förderstätte mit erwachsenen Menschen mit Behinderung arbeiten, waren im ersten Kurs 2016 dabei. „Ich fand gut, dass wir im Kurs viel miteinander geübt haben“, erinnert sich Melanie Luthardt. Zwei mal zwei Tage und ein zusätzlicher Praxistag – so lange dauert der Kurs, der direkt vor Ort angeboten wird. „Ich habe hinterher schnell die Auswirkungen gespürt“, erzählt die Mitarbeiterin. „Vor allem im Umgang mit einer Klientin merke ich die Unterschiede sehr. Durch Kinaesthetics weiß sie, welche Bewegungen wann kommen, ich muss nur einen kleinen Impuls setzen. Und sie bringt auch ihre eigenen Ideen mit ein, wie es mit der Bewegung noch leichter geht.“

Auch Irma Schmidt ist vom Konzept überzeugt – obwohl der Start nach dem Kurs für sie nicht so erfolgreich verlief, wie für die Kollegin. „Einer der Klienten in meiner Gruppe konnte das Konzept gar nicht annehmen. Ich denke, er war von der Veränderung überfordert. Ich habe viel mit ihm geübt, aber bis er vor kurzem verstorben ist, ist es mir nicht gelungen, alle wichtigen Erkenntnisse in der Arbeit mit ihm umzusetzen.“

Was die wichtigste Erkenntnis des Kurses war? „Mir ist vor allem ein Satz hängen geblieben: Arbeite nicht an mir, sondern mit mir“, erzählt Irma Schmidt. Den Klienten bei den Bewegungen einbeziehen, alle Sinne mit ansprechen – das steht im Mittelpunkt des Konzepts Kinaesthetics. „Die Klienten scheinen mehr Lebensfreude zu haben. Sie sind mittendrin und entdecken ihre eigenen Ressourcen und es geht nicht immer nur um Defizite“, beschreibt Irma Schmidt, warum sie von Kinaesthetics überzeugt ist.

„Das geht schon mit der Kommunikation los. Ich habe immer gesagt: ‚Wir setzen uns auf die Liege‘ und dann haben wir uns auf die Liege gesetzt. Jetzt sage ich: ‚Du setzt dich auf die Liege‘ und der Klient setzt sich alleine dort hin“, lacht Melanie Luthardt. „Es ist wirklich eine Win-Win-Situation: Die Klientinnen und Klienten bekommen ein ganz anderes Körpergefühl und für uns ist es eine große körperliche Entlastung. Einige haben mich schon gefragt, ob das nicht sehr zeitaufwändig ist, die Klienten immer in die Bewegungen einzubeziehen. Aber nach ein paar Mal gehen viele Bewegungen sogar schneller.“

Von: Diakonin Arnica Mühlendyck

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v.l. Irma Schmidt und Melanie Luthardt von der Förderstätte am Auhof setzen Kinaesthetics jeden Tag ein. Die Leiterin der Förderstätte, Margarethe Bühler, ist vom Konzept überzeugt. (Foto: Mühlendyck)