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30.11.2018

Mitarbeitende der Beruflichen Schulen besuchen finnische Partner

Erasmus+-Projekt ermöglicht Austausch zwischen Rummelsberg und Helsinki

Helsinki – Aus Unterschieden etwas zu lernen und Gemeinsamkeiten zu entdecken, ist Ziel des Projekts „Diakonische Berufliche Schulen in Europa verbinden – Deutsche Schulleitungen besuchen Finnland“. Eine Gruppe von 23 Mitarbeitenden der Beruflichen Schulen der Rummelsberger Diakonie ist zum Austausch mit den finnischen Kolleginnen und Kollegen nach Helsinki geflogen. Möglich wurde das durch eine Förderung der Europäischen Union im Rahmen des Erasmus+-Programms. „Wir sind sehr froh, dass wir mit den Partnern in Finnland zusammenarbeiten“, sagt Diakon Christian Oerthel, Leiter des Fachbereichs Berufliche Bildung und Soziale Studiengänge. Er erhofft sich wichtige gegenseitige Impulse für die Weiterentwicklung der Schulen und Fachakademien.

Finnland genießt hierzulande in Sachen Bildung einen exzellenten Ruf. Umso spannender war es für die Teilnehmenden, einen Einblick in das finnische Schul- und Bildungssystem zu gewinnen. Bereits im vergangenen Jahr entstand die Idee, sich Inspiration bei anderen europäischen Bildungsträgern diakonischer Prägung zu holen. Projektpartner der Rummelsberger Diakonie sind das „Diakonia College of Finland“ in Helsinki und „Seurakunta Opisto“ in Järvenpää (etwa 30 Kilometer von Helsinki entfernt). Im Mittelpunkt des Interesses stand der Austausch über neue Lernformen, wie die Digitalisierung und das selbstverantwortliche Lernen. Als weiteren Schwerpunkt befassten sich die Teilnehmenden des Austauschs mit der Frage der Organisation von Beruflichen Schulen und Fachakademien.

Selbstverantwortliches Lernen stärken

Diakonin Katharina Keinki verantwortet das Projekt selbstverantwortliches Lernen bei der Rummelsberger Diakonie. Ziel ist es, jungen Menschen in Ausbildung die nötigen Rahmenbedingungen zur Verfügung zu stellen, damit sie sich aus eigenem Antrieb die Inhalte erarbeiten, die konkret für ihren Bildungsweg gerade wichtig sind. Kompetenzen wie Selbstorganisation, Eigenverantwortlichkeit und Teamwork stehen neben fachlichen Inhalten im Fokus. Es ist eine Verabschiedung vom alten Frontalunterricht. Dozentinnen und Dozenten sind bei diesem Konzept eher in der Rolle von Lernbegleitern, die Auszubildende auf ihrem Weg unterstützen. In Finnland hat Diakonin Keinki sehr genau darauf geachtet, wie Lehrerinnen und Lehrer hier ihre Rolle verstehen.

„Dort hat jeder Schüler einen Lehrer, der ihn als Tutor begleitet“, erzählt sie. „Vieles erinnert dort eher an Universitäten: Die Schüler sitzen allein oder in Gruppen in der Bibliothek, dann gehen sie zum nächsten Kurs.“ Finnland hat zu Beginn des Jahres eine große Reform des Bildungssystems auf den Weg gebracht – hin zu einem dualen Ansatz wie er in Deutschland erfolgreich ist. Außerdem werden in der zehnten Klasse, ab der eine Trennung in verschiedene Ausbildungszweige beginnt, erst einmal die Kenntnisse der Schülerinnen und Schüler erhoben. Sie müssen dann nur diejenigen Module lernen, die ihnen bisher fehlen, aber wichtig für ihren konkreten Berufswunsch sind. „Wie das genau erhoben wird, ist mir aber noch nicht klar“, sagt Diakonin Keinki.

Ihr Eindruck ist, dass in Finnland Projekte einfach gestartet werden, ohne dass man sich vorher Gedanken über eventuell auftretende Probleme macht. „Es ist eher eine Suche nach Lösungen, als der Blick auf die Schwierigkeiten.“ So kommunizieren Lehrende und Auszubildende in Finnland über den Messenger-Dienst WhatsApp miteinander. „Hierzulande wäre das wegen Datenschutz-Bedenken unmöglich“, so die Diakonin. Auch die Art, wie Schulentwicklung und Schulverwaltung dort gesehen werden, unterscheidet sich stark von dem, was hierzulande üblich ist. Dort verstünde sich die Verwaltung eher als Dienstleister, als Unterstützer der Schulen, mit dem Fokus auf der Frage: Was brauchen Lehrende und Auszubildende, damit Lernen funktioniert?

Geplant ist, dass im kommenden Jahr Studierende mit Dozentinnen und Dozenten aus Finnland nach Rummelsberg reisen. Eine Fortsetzung der gemeinsamen Kooperation ist festes Ziel. Im Idealfall entstehen daraus Projekte, die gemeinsam angegangen werden. Denn eins hat die Reise gezeigt: Bei allen Unterschieden stehen Finnland und Deutschland im Bildungsbereich vor ähnlichen Herausforderungen.

Von: Andrea Wismath

Was macht Finnland aus? Antworten darauf fanden die Teilnehmenden des Austauschs bei der Führung durch das finnische Nationalmuseum in Helsinki. Diakon Christan Oerthel, Leiter des Fachbereichs Berufliche Bildung und Soziale Studiengänge, und Diakonin Katharina Keinki, Projektverantwortliche Selbstverantwortliches Lernen, haben viel mitgenommen von der Reise nach Finnland. Fotos: Rummelsberger Diakonie