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08.05.2018

Ein sorgfältiger Blick auf die Geschichte der Rummelsberger Behindertenhilfe

Dokumentation des BR wird am 9.5 ausgestrahlt

Rummelsberg - Im November letzten Jahres erhielt die Abteilung Kommunikation über das E-Mail-Postfach eine Anfrage des Bayerischen Rundfunks (BR), wie in der Rummelsberger Diakonie mit der „Stiftung Anerkennung und Hilfe“ umgegangen wird. Die Stiftung wurde von Politik, Kirchen und Wohlfahrtsverbänden eingerichtet, um Menschen mit Behinderung zu entschädigen, die in Heimen der Bundesrepublik und der DDR unter repressiven Erziehungsmethoden gelitten haben. Menschen, die zwischen 1949 bis 1975 in der Bundesrepublik beziehungsweise bis 1990 in der DDR in Einrichtungen der Behindertenhilfe oder Psychiatrie untergebracht waren, haben Anspruch auf Zahlungen aus dem Fond. Die Leistungen sollen nicht auf die Sozialhilfe angerechnet werden. In den Rummelsberger Diensten für Menschen mit Behinderung sind es die Case-Manager, die mit betroffenen Bewohnern, die heute noch in Einrichtungen der Rummelsberger Diakonie leben, wegen der Stiftung im Gespräch sind. Ehemalige Bewohner, die sich an uns wenden und möglicherweise Einsicht in ihre Akten nehmen wollen, unterstützen wir nach unseren Möglichkeiten. Allerdings ist unsere Aktenlage eher bescheiden.

Der BR hatte noch eine weitere Frage gestellt: Ob wir Kenntnis davon hätten, ob es bei uns Medikamententests an Kinder und Erwachsenen mit Behinderungen gegeben habe. Zunächst wies nichts darauf hin. Kurz vor der Weihnachtspause erhielten wir jedoch einen anderen Hinweis. In der Akte eines ehemaligen Bewohners, die wir in Fotokopie erhielten, stand der Begriff „Arzneimittelprüfung“ in Verbindung mit dem Medikament „Nomifensin“. Wir haben Akten in unserem Bestand eingesehen und schnell gemerkt, dass wir ohne Hilfe von ausgewiesenen Fachleuten nicht weiterkommen. Wir brauchen eine historische Einordnung und eine Fachexpertise von Medizinern, damit wir die Vorgänge einsortieren können. Deshalb haben wir uns auf die Suche nach einem unabhängigen Wissenschaftler gemacht, der uns hier unterstützt. Wir wollen aufklären, wir wollen nicht verurteilen, wir wollen lernen, wie es dazu kam und was wir heute tun können, damit Menschen durch uns begleitet in Würde und größtmöglicher Selbstbestimmung leben können. Wir haben jemanden gefunden, der bereits in anderen Einrichtungen genau diese Art von Untersuchungen gemacht hat. Wir hoffen, dass die Arbeiten noch vor der Sommerpause beginnen können. Zunächst wird es darum gehen, herauszufinden, in welchem Umfang Medikamententests durchgeführt wurden. Das hat etwas damit zu tun, dass Mittel aus der Stiftung bis zum 31.12.2019 beantragt sein müssen.

Über diesen Anfang hinaus sollen die Lebensumstände von Menschen mit Behinderungen in Einrichtungen der Rummelsberger Diakonie bis in die jüngere Vergangenheit dokumentiert werden. Bislang gibt es darüber keine wissenschaftlichen Arbeiten, wie beispielsweise das Buch von Schmuhl/Winkler „Aufbrüche und Umbrüche“, das über Bethel in diesem Frühjahr erschienen ist. Ob die Arbeit über Rummelsberg so umfangreich sein wird, weiß noch niemand.

Unter der Leitung der BR-Journalistin Christine Hawranek ist eine Dokumentation über das Leben von Menschen mit Behinderung – auch auf dem Auhof – in der Zeit bis ca. 1975. Der BR war im März auf dem Auhof und hat recherchiert. Das Fernsehen macht einen Bericht über den Menschen, durch dessen Akte wir auf „Nomifensin“ aufmerksam wurden.

Das Fernsehen war auch dabei, als wir den ehemaligen Bewohner des Auhofs besucht haben. Ihm hat es gut getan, dass wir ihm zugehört haben, dass wir ihn ernst genommen haben und dass wir daran arbeiten wollen, damit Menschen bei uns selbstbestimmt und in Würde leben können.

Die Dokumentation wird morgen, am 9. Mai, ausgestrahlt:  

Bayerisches Fernsehen:

Abendschau, 18 Uhr: Beitrag

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/abendschau/index.html

Kontrovers, 21 Uhr: 20-minütige Dokumentation

https://www.br.de/br-fernsehen/sendungen/kontrovers/index.html

Radio:

Kurzbeiträge (3:30 min) morgens auf Bayern 2/ Radiowelt, B5 Aktuell/ Hintergrund

Bayern 2: Das Notizbuch, 10-12 Uhr https://www.br.de/radio/bayern2/sendungen/notizbuch/index.html - hier läuft eine ausführliche 22-minütige Radiosendung

Bayern 1: Mittags in Franken – 12-13 Uhr: Ein Gespräch mit Frau Hawranek

Bayern 2: RegionalZeit Schwaben – 13-13:30 Uhr: Ein Gespräch mit Frau Hawranek

Auch am kommenden Sonntag, 13. Mai, wird dieses Thema noch mal medial verarbeitet: Der Funkstreifzug auf B5 Aktuell, 9h15 und 12h15 (https://www.br.de/radio/b5-aktuell/sendungen/der-funkstreifzug/index.html)

Von: Georg Borngässer