38. Feuerkinder Team 2023
12. November 2023Herbsteinsatz Feuerkinder
25. Oktober bis 11. November 2023
Der diesjährige Einsatz begann für das gesamte Team erstmals mit einem Besuch in Babati, etwa 200 Kilometer von Usa River entfernt. Dort hat der Tansanier Herr Letion die „Zilpa Foundation“ gegründet – eine Einrichtung, die sich um arme und gehandikapte Kinder aus entlegenen Regionen kümmert.
Die Stiftung ist in einem ursprünglich für seine Familie geplanten Wohnhaus untergebracht und verfügt daher nur über begrenzten Platz. Viele Aktivitäten, wie Essen und Spielen, müssen im Freien stattfinden. Besonders in den vergangenen Wochen stellten starke Regenfälle die Versorgung der Kinder vor große Herausforderungen. Dank finanzieller Unterstützung konnte jedoch ein dringend benötigter Anbau für die Einrichtung realisiert werden.
Start der medizinischen Arbeit
Am zweiten Tag begannen die intensiven Vorbereitungen für die anstehenden Operationen. Während das OP- und Anästhesieteam die Räumlichkeiten und Materialien vorbereitete, führten die Orthopäden Voruntersuchungen sowie ambulante Behandlungen bei insgesamt 110 Patientinnen und Patienten durch.
Die Zusammenarbeit mit dem einheimischen Personal verlief – wie bereits in den vergangenen Jahren – äußerst harmonisch und effektiv. Trotz sprachlicher Barrieren (Englisch, Kisuaheli und Deutsch) funktionierte die Kommunikation hervorragend.
Ein besonderes Beispiel dafür ist Schwester Makaaya, die inzwischen im Ruhestand ist, aber seit 25 Jahren mit Frau Dr. Schraml zusammenarbeitet. Obwohl sie ausschließlich Kisuaheli spricht, weiß sie stets genau, was im jeweiligen Moment benötigt wird.
Auch das Team des Nkoaranga Lutheran Hospital (NLH) leistete wertvolle Unterstützung:
Die Aufbereitung der Instrumente wurde eigenständig durchgeführt, und die beiden Anästhesisten Emmanuel und Patrick standen jederzeit engagiert zur Verfügung.
Patienten und medizinische Versorgung
Neben der Zilpa Foundation, die in diesem Jahr 19 Kinder und Jugendliche zur Behandlung brachte, wurden auch Patienten aus den Einrichtungen „Plasterhouse“ und „Monduli“ im NLH versorgt.
Einige der Kinder waren bereits mit Gipsverbänden vorbehandelt worden. Diese sogenannte Ponseti-Methode ist besonders im Kleinkindalter sehr effektiv und kann schwere Fehlstellungen wie Klumpfüße verhindern. Leider wird diese Methode in Tansania nur an wenigen Orten und oft nicht ausreichend angewendet – mit steigender Tendenz.
Ohne die Unterstützung kirchlicher und privater Initiativen wäre die Situation für viele betroffene Kinder noch deutlich schwieriger, da staatliche Hilfen nur begrenzt vorhanden sind.
Große Herausforderungen für Familien
Für viele Familien ist der Zugang zu medizinischer Versorgung mit enormen Hürden verbunden. Einige Eltern nahmen Anreisen von bis zu 1.000 Kilometern auf sich, um ihren Kindern eine Behandlung zu ermöglichen.
Oft scheitert medizinische Hilfe im eigenen Land an fehlenden finanziellen Mitteln. Die große Armut wurde auch während dieses Einsatzes deutlich sichtbar. Dank Spendengeldern konnte nicht nur die medizinische Versorgung sichergestellt, sondern auch akute Not gelindert werden – etwa durch Unterstützung bei Nahrungsmitteln oder der Finanzierung der Heimreise.
Zusätzlich wurden mitgebrachte Strickwaren sowie vor Ort gekaufte T-Shirts mit großer Dankbarkeit angenommen.
Ein besonders bewegender Moment war die Reaktion einer Massai-Mutter, deren Sohn eine Nachamputation des rechten Unterschenkels benötigte. Ihre Tränen der Freude zeigten eindrucksvoll, wie viel diese Hilfe für die Betroffenen bedeutet.
Zahlen des Einsatzes
An insgesamt 11 Operationstagen wurden 94 Operationen durchgeführt, darunter:
- 35 teils sehr komplexe Klumpfußkorrekturen
- 25 Achskorrekturen
- 32 Metallentfernungen
Das Team
Das 11-köpfige Team setzte sich wie folgt zusammen:
- Dr. Annemarie Schraml
- Dr. Stephan Oehler (Chefarzt Orthopädie und Unfallchirurgie, Schwabach)
- Dr. Tanja Leyh (Assistenzärztin, Klinikum Bamberg)
- Dr. Dominic Reinhart (Assistenzarzt, Universität Dresden)
- Dr. Rolando Rossi (Anästhesist und Notfallmediziner)
- Annemarie Rossi (Intensivschwester)
- Marion Belzner (OP-Schwester)
- Sabine Bourges-Frei (OP-Schwester)
- Miriam Cervenka (OP-Schwester)
- Alexander Weiß (Physiotherapeut)
- Grace Ayoo-Küfner (Krankenschwester und Dolmetscherin)
Zusätzlich arbeitete Frau Dr. Godnester Mungure, deren Ausbildung durch das Projekt finanziert wurde, täglich im Team mit. In den kommenden Wochen wird sie gemeinsam mit ihren tansanischen Kollegen die Nachbehandlungen früherer Patienten übernehmen.
Schwierige Lage im Krankenhaus
Das Nkoaranga Lutheran Hospital befindet sich derzeit in einer wirtschaftlich sehr angespannten Situation. Viele Patientinnen und Patienten können ihre Rechnungen nicht begleichen, und es gibt kaum Erstattungen durch Versicherungen.
Seit September konnten weder Gehälter gezahlt noch dringend benötigte Materialien und Medikamente beschafft werden. Umso wichtiger war die Unterstützung durch das Feuerkinder-Team, das eigenes Material mitbrachte und dem lokalen Personal für die zusätzliche Arbeit eine Sondervergütung ermöglichte.
Positive Entwicklungen
Trotz aller Herausforderungen gibt es auch erfreuliche Fortschritte:
- Julius Molell hat seine Zusatzausbildung in Urologie erfolgreich abgeschlossen.
- Der Physiotherapeut Goodluck hat ein Netzwerk zur Vorbehandlung von Klumpfüßen aufgebaut, das bis nach Tanga reicht.
- Der Neubau der Geburtshilfestation schreitet gut voran und soll im März 2024 fertiggestellt werden.
- Eine neue English Medium School in der Nähe des NLH wird im Januar den Betrieb aufnehmen. Für Kinder aus armen Familien werden dringend Schulpatenschaften benötigt (Kosten: 400 Euro pro Jahr).
Ein besonders schönes Beispiel für den langfristigen Erfolg des Projekts ist Adil: Er wurde vor zehn Jahren vom Feuerkinder-Team operiert und studiert heute Medizin in Daressalam.
Dank und Ausblick
Der fast dreiwöchige Einsatz war intensiv, aber geprägt von großem Zusammenhalt und vielen Erfolgen. Für zahlreiche Kinder konnte die Lebensperspektive nachhaltig verbessert werden.
Das Team des Projekts Feuerkinder bedankt sich herzlich für die langjährige Unterstützung und bittet auch weiterhin um Spenden, um diese wichtige Arbeit fortführen zu können.
Danke für Ihre Unterstützung
Dieser Einsatz wäre ohne die großzügige Unterstützung zahlreicher Spenderinnen und Spender nicht möglich gewesen.
Herzlichen Dank, dass Sie dazu beitragen, Kindern in Tansania eine bessere Zukunft zu ermöglichen und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern.
Projekt Feuerkinder Spendenkonto:
Empfänger: Stiftung der Rummelsberger Diakonie – Hilfen für Tansania
Spendenkonto: Evangelische Bank eG
Verwendungszweck: Aktion Feuerkinder
IBAN: DE53 5206 0410 0103 5099 82
BIC: GENODEF1EK1