Ausstellung
"Eiskalt sind die!" - Austellungseröffnung Diakoniemuseum
Wie konnte es geschehen, dass sich Teile der bayerischen Diakonie von der „nationalen Erhebung“ 1933 blenden ließen? Warum glaubten engagierte Christ*innen wie der Rummelsberger Brüderpfarrer Wilhelm Strohm, mit Hitlers Machtergreifung sei „eigentlich das Reich Gottes aufgebrochen“? Und welche Folgen hatte diese fatale Fehleinschätzung für die diakonische Arbeit – von Zwangssterilisationen bis zur Mitwirkung an der NS-„Euthanasie“?
Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der neuen Ausstellung „Eiskalt sind die! Diakonie und Nationalsozialismus in Bayern“, die am Freitag, 24. April 2026, um 17 Uhr im Diakoniemuseum Rummelsberg eröffnet wird. Landesbischof Christian Kopp wird die Ausstellung im Beisein von Vertreter*innen der bayerischen Landeskirche, des Diakonischen Werks Bayern und der Wissenschaft eröffnen.
Lange vernachlässigtes Thema
Die Ausstellung beleuchtet die Verstrickung der bayerischen Diakonie in den Nationalsozialismus – ein Kapitel, das lange verdrängt wurde. Anhand von Originaldokumenten, Biografien, Graphic Novels und innovativen Medienstationen wird gezeigt, wie diakonische Einrichtungen zwischen Begeisterung, Anpassung und Mitläuferschaft schwankten.
Ein besonderer Fokus liegt auf der „Aktion T4“, der systematischen Ermordung von Menschen mit Behinderungen. Über 1.200 Patient*innen aus Neuendettelsau wurden in die Tötungsanstalt Hartheim deportiert – viele von ihnen starben dort.
Projekt mit gesellschaftlicher Relevanz
Die Ausstellung ist das Ergebnis jahrelanger Forschung: 23 Autor*innen aus Deutschland und den Niederlanden haben einen wissenschaftlichen Begleitband erarbeitet. Unterstützt wurde das Projekt vom Diakonischen Werk Bayern und der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern – ein Zeichen dafür, wie dringlich die Auseinandersetzung mit diesem Kapitel ist.
„Die Geschichte der Diakonie im Nationalsozialismus ist kein abgeschlossenes Thema“, betont Dr. Thomas Greif, Historiker und Leiter des Diakoniemuseums. „Sie mahnt uns, wachsam zu bleiben gegenüber Ideologien, die Menschenwürde infrage stellen.“
Ausstellungsdaten
Eröffnung: 24. April 2026, 15 Uhr (Ausstellung), 17 Uhr (Festgottesdienst)
Ort: Diakoniemuseum Rummelsberg | Philippuskirche
Laufzeit: 25. April 2026 – 14. Dezember 2028
Bereits seit 2015 erzählt das Diakoniemuseum Rummelsberg die Geschichte der bayerischen Diakonie. Bereits 5 große Ausstellungen, wie "Kaiser, Kanzler, Rummelsberger" (2017) oder "Fremde beherbergen" (2023) entstanden mit jahrelanger Forschung und Kooperationen mit anderen diakonischen Trägern.
Diakoniemuseum Rummelsberg
Rummelsberg 47
90592 Schwarzenbruck
Deutschland