32. Einsatz in Tansania 2020
10. März 2020Unser Einsatz in Tansania – ein starkes Team und bewegende Eindrücke
Mit einem diesmal besonders großen und engagierten Team reisten wir nach Tansania:
- Prof. Hamel (München)
- Dr. Schwendner (Nürnberg)
- Dr. Schraml sowie zwei ihrer früheren Oberärzte
- Dr. Oehler (Schwabach)
- Dr. Gerd Hohenberger (Fulda)
- OP-Schwester Sabine Bourges-Frei (Altdorf)
- OP-Schwester Margit Schaffler (Traunstein)
- Anästhesiepfleger Gregor Wittmann (Nürnberg)
- Orthopädietechnikermeister Peter Raab (Rummelsberg)
- Medizinstudentin Selma Fensel (Erlangen)
Eine ganz besondere Konstante ist seit über 20 Jahren Grace Ayoo-Küfner, die inzwischen in Nürnberg lebt und bei keinem Einsatz fehlt. Bis kurz vor Abflug war ihre Teilnahme in diesem Jahr jedoch ungewiss, da sie auf ihren neuen Pass der Ostafrikanischen Union wartete, den sie bei der tansanischen Botschaft in Berlin abholen musste.
Vor Ort wurde das Team durch Frau Dr. Mirjam Triebel sowie die Hebamme Marleen Thiedemann ergänzt. Dr. Triebel leitet seit einem Jahr die Neema Reha in Iringa, während Frau Thiedemann in Tansania aufgewachsen ist. Beide sprechen fließend Kisuaheli – ein unschätzbarer Vorteil in der Kommunikation mit Patienten und ihren Familien.
Rekordandrang und große Herausforderungen
Bereits am ersten Tag zeigte sich die enorme Not: So viele Menschen wie noch nie kamen zur Voruntersuchung ins Nkoaranga-Krankenhaus. Insgesamt warteten 146 Patientinnen und Patienten, darunter 45 Kinder und Jugendliche aus dem Plasterhouse in Arusha, die bereits seit Wochen wegen schwerer Klumpfüße vorbehandelt worden waren.
Besonders viele Kinder kamen diesmal aus dem Süden Tansanias – einige hatten bis zu 2.000 Kilometer zurückgelegt. Viele stammen aus äußerst armen Verhältnissen.
Das Team operierte parallel in zwei Gruppen und konnte in den zwei Einsatzwochen insgesamt 109 Operationen durchführen. Dennoch mussten einige Patientinnen und Patienten auf zukünftige Einsätze vertröstet werden, da die Kapazitäten erschöpft waren. Die ohnehin knappen Betten führten dazu, dass Kinder oft zu zweit in einem Bett oder zu dritt in zwei Betten untergebracht wurden.
Zusätzlich war für viele Familien finanzielle Unterstützung für Verpflegung und Transport notwendig.
Hilfe, die über den Einsatz hinaus wirkt
Ein wichtiger Teil unserer Arbeit ist nachhaltige Unterstützung: So wurde ein junger tansanischer Krankenpfleger finanziell gefördert, der nach einer Hospitation in Nürnberg in seiner Heimat eine eigene Krankenstation aufgebaut hat. Die strengen staatlichen Auflagen stellen ihn jedoch vor große finanzielle Herausforderungen. Ohne Unterstützung droht die Schließung – mit gravierenden Folgen für die medizinische Versorgung der Bevölkerung vor Ort.
Auch die Ausbildung einheimischer Fachkräfte bleibt ein zentrales Ziel. Während des Einsatzes hospitierte ein Arzt aus Arusha bei Klumpfußoperationen, um diese Techniken zu erlernen und künftig selbst anwenden zu können.
Fortschritte im Krankenhaus und Ausbildung vor Ort
Sehr erfreulich ist der Baufortschritt des neuen Operationstraktes im Nkoaranga-Hospital. Der Gebäudeteil ist weitgehend fertiggestellt. Bereits jetzt konnten erste Einweisungen in die neuen technischen Geräte erfolgen, insbesondere im Bereich der Anästhesie.
Trotz dieser positiven Entwicklung bleibt die Versorgungslage schwierig: Medizinische Materialien und Geräte sind knapp, und deren Einfuhr wird streng kontrolliert – insbesondere bei kirchlichen Einrichtungen.
Ein besonderes Projekt: Die Bäckerei im Reha-Zentrum
Für große Freude sorgte der Besuch von Bäckermeister Robert Kutzer und befreundeten Kollegen im Reha-Zentrum in Usa River. Gemeinsam mit Kai Küfner konnten sie die zuvor gespendeten Bäckereimaschinen installieren und in Betrieb nehmen.
Die Bäckerei ist eine wichtige Einnahmequelle für das Zentrum und trägt dazu bei, die Versorgung von Kindern mit Behinderung nachhaltig zu sichern. Gleichzeitig stärkt sie lokale Strukturen und schafft Perspektiven.
Engagement vor Ort
Auch der neue tansanische Diakon Jonas hat sich hervorragend in die Dorfarbeit integriert. Er unterstützt aktiv ehemalige Patienten und Kinder mit Behinderung. Die bereitgestellten Spendengelder werden verantwortungsvoll und gezielt eingesetzt.
Bewegende Einzelschicksale
Immer wieder erleben wir Situationen, die in unserem Gesundheitssystem kaum vorstellbar sind:
- Durch die Übernahme der Behandlungskosten konnte das Leben eines 24-jährigen Mannes gerettet werden, der an akutem Nierenversagen litt. Ohne finanzielle Hilfe wäre die lebensnotwendige Dialyse beendet worden.
- Ebenso wurde die Behandlung eines 8-jährigen Mädchens ermöglicht, bei dem aufgrund eines spät diagnostizierten Tumors eine Beinamputation notwendig war.
Diese Schicksale zeigen eindrücklich, wie entscheidend schnelle Hilfe sein kann.
Ausblick und Bitte um Unterstützung
Der enorme Patientenzustrom führte zu einem deutlich höheren Verbrauch an medizinischen Materialien als geplant. Die Vorräte sind nahezu erschöpft und müssen für den nächsten Einsatz dringend aufgefüllt werden.
Die Not der Menschen rund um den Mount Meru und in ganz Tansania ist weiterhin groß.
Wir bitten Sie daher herzlich, unsere Arbeit weiterhin zu unterstützen.
Ein weiterer Einsatz ist für Ende Juni geplant. Ob dieser jedoch wie vorgesehen stattfinden kann, ist aufgrund der weiterhin bestehenden Auswirkungen der Corona-Pandemie derzeit noch ungewiss.