33. Einsatz in Tansania 2021
30. August 2021
Zur aktuellen Lage in Tansania
Tansania gilt weiterhin als Corona-Hochrisikogebiet, und das Auswärtige Amt warnt nach wie vor, vor nicht notwendigen Reisen in das Land.
Offizielle Infektionszahlen wurden zuletzt am 7. Mai 2020 veröffentlicht. Die damalige Regierung behandelte das Thema über lange Zeit mit großer Zurückhaltung und mangelnder Transparenz. Dennoch erreichten uns immer wieder besorgniserregende Berichte aus dem Krankenhaus sowie dem USA River Rehabilitation and Training Center (URRC): plötzliche Todesfälle zuvor gesunder Menschen und ein akuter Mangel an Sauerstoff zur Behandlung schwerer Lungenerkrankungen, insbesondere Anfang 2021. Auf diese Notlage reagierten wir umgehend und finanzierten kurzfristig dringend benötigte Sauerstoffflaschen.
Die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie waren erheblich: Lebensmittelpreise stiegen stark an, während der Tourismus – eine zentrale Einnahmequelle – nahezu vollständig zum Erliegen kam. Die soziale Not verschärfte sich drastisch, und selbst medizinisches Personal konnte zeitweise nicht mehr bezahlt werden.
Nach dem Tod von Präsident John Magufuli im März 2021 übernahm erstmals eine Frau die Staatsführung: Samia Suluhu Hassan. Unter ihrer Leitung zeigt sich eine vorsichtige Neuausrichtung der COVID-19-Politik. Dennoch ist Impfskepsis in der Bevölkerung weiterhin verbreitet – trotz öffentlichkeitswirksamer Impfkampagnen. Seit Mitte 2021 berichtet die WHO über deutlich steigende Infektionszahlen im Land.
Vorbereitung des Einsatzes
Bereits im April wurde dringend benötigtes Material per Luftfracht nach Tansania geschickt. Dazu gehörten unter anderem:
- Hygienematerialien zur Behandlung von COVID-19-Patienten
- Zwei Narkosegeräte und mehrere Überwachungsmonitore
- Orthopädische Hilfsmittel, Verbandsstoffe und Kunststoffgipse
- Unterarmstützen sowie weitere medizinische Versorgungsgüter
Zusätzlich wurden warme Decken und Kinderkleidung für die kühleren Monate vor Ort bereitgestellt.
Kurzfristig erreichten uns weitere dringende Bedarfe: COVID-19-Antigen-Schnelltests, Schutzkleidung sowie Reanimationspuppen für Schulungszwecke – da entsprechendes Trainingsmaterial vor Ort bislang fehlte.
Auch die Ein- und Ausreisebedingungen gestalteten sich unter Pandemiebedingungen deutlich aufwendiger als bei früheren Einsätzen.
Unsere Aufgaben und Begegnungen vor Ort
Medizintechnische Unterstützung
Im neuen Operationsbereich wurden mehrere Narkosegeräte installiert und das lokale Fachpersonal intensiv geschult. Trotz technischer Herausforderungen konnten wichtige Grundlagen vermittelt werden, auch wenn die vollständige Einarbeitung noch andauert.
Zusätzlich erfolgte die Einweisung in den Einsatz eines Dermatoms sowie eines Mesh-Geräts zur Hauttransplantation. Dadurch ist es den lokalen Ärzten inzwischen möglich, auch Verbrennungspatienten vor Ort zu behandeln.
Auch moderne Überwachungsmonitore wurden installiert und erfolgreich in Betrieb genommen. Diese ermöglichen nun eine verbesserte Patientenüberwachung, einschließlich EKG, Blutdruckmessung und Pulsoxymetrie – sowohl im OP als auch auf der Intermediate Care Station.
Schulungen und Infektionsschutz
Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Schulung des Laborpersonals im Umgang mit COVID-19-Antigen-Schnelltests. Parallel dazu wurde Schutzkleidung verteilt.
Diese Maßnahmen stellen einen wichtigen Beitrag zum Schutz der Mitarbeitenden dar, insbesondere vor dem Hintergrund einer noch unvollständigen Impfquote im medizinischen Personal.
Projekte im Rehabilitationszentrum (URRC)
Ein besonderes Augenmerk galt der Klumpfußbehandlung. Die Behandlung nach der bewährten Ponseti-Methode wird inzwischen eigenständig und erfolgreich durch das lokale Team durchgeführt.
Die Versorgung mit notwendigen Materialien – insbesondere Kunststoffgipsen – bleibt dabei essenziell, da diese vor Ort nicht erhältlich sind.
Mit großer Zuversicht blicken wir auf die Zusammenarbeit mit der jungen Ärztin Dr. Godnester Mungure, die künftig eine wichtige Rolle in der chirurgischen Versorgung übernehmen soll.
Begegnungen und soziale Projekte
Ein bewegender Austausch fand mit lokalen Pastoren statt, die seit Beginn der Pandemie Hilfsgüter an Bedürftige verteilen. Gemeinsam wurden Pläne für sogenannte Day-Care-Zentren entwickelt, um Menschen mit Behinderungen besser zu unterstützen und ihren Familien neue Perspektiven zu ermöglichen.
Darüber hinaus setzen wir unsere „Dorfarbeit“ fort: ehemalige Patienten und ihre Familien werden durch Mikrokredite, Bildungsförderung und Existenzhilfen unterstützt.
Einige Beispiele:
- Unterstützung eines Jungen bei notwendigen plastischen Operationen sowie beim Aufbau einer Existenzgrundlage für seine Mutter
- Förderung eines ehemaligen Patienten während seines Studiums
- Versorgung von Verletzten mit orthopädischen Hilfsmitteln und beruflicher Integration
Auch die enge Zusammenarbeit mit Schulen, Werkstätten und Therapieeinrichtungen wurde weiter gestärkt.
Organisation und Weiterentwicklung
In Gesprächen mit der Diözese und den lokalen Verantwortlichen wurden wichtige Zukunftsprojekte vorangetrieben – insbesondere der geplante Bau eines Gebäudes für Gynäkologie und Geburtshilfe.
Zudem standen Qualitätsverbesserungen im Fokus:
- Optimierung medizinischer Abläufe
- Verbesserung der technischen Ausstattung
- Reduktion von Komplikationen und Infektionen
Zusammenfassung
Der 33. Einsatz des Projekts Feuerkinder war kurz, aber äußerst intensiv und wirkungsvoll. Gerade unter den erschwerten Bedingungen der Pandemie war die persönliche Präsenz vor Ort von großer Bedeutung.
Die Dankbarkeit unserer Partner und der Menschen vor Ort ist überwältigend. Sie zeigt, wie wichtig die kontinuierliche Unterstützung auch in Zeiten ist, in denen direkte Hilfe nur eingeschränkt möglich war.
Trotz vieler Fortschritte bestehen weiterhin Herausforderungen – insbesondere im technischen Bereich und bei der Infrastruktur. Gleichzeitig ist deutlich erkennbar, dass Schulungen, Materialhilfe und partnerschaftliche Zusammenarbeit nachhaltig zu einer besseren Versorgung beitragen.
Danksagung
Wir danken Ihnen von Herzen für Ihre großzügige Unterstützung. Ihre Spenden ermöglichen unsere Arbeit und geben vielen Menschen – insbesondere Kindern – eine Perspektive.
Die Auswirkungen der Pandemie haben die Not in Tansania weiter verschärft. Umso wichtiger ist es, unsere Hilfe fortzusetzen und auszubauen.
Bitte unterstützen Sie das Projekt Feuerkinder auch weiterhin.
Dr. Klaus Schwendner
Dr. Annemarie Schraml