35. Einsatz in Tansania 2022

09. April 2022

Erfolgreicher 35. Einsatz des Feuerkinder-Teams in Tansania

Trotz der herausfordernden Bedingungen der Covid-19-Pandemie ist das neunköpfige Feuerkinder-Team wohlbehalten von seinem 35. Einsatz in Tansania (25. März bis 09. April 2022) zurückgekehrt.

Ein besonderer Meilenstein dieses Einsatzes war die erstmalige Nutzung des neuen OP-Trakts, der unter optimalen Bedingungen modernste chirurgische Eingriffe ermöglichte. Das Gebäude wurde durch die Organisation Ein Herz für Kinder finanziert und im vergangenen Jahr fertiggestellt.

Feierliche Einweihung des neuen OP-Trakts

In einer bewegenden Zeremonie wurde der Neubau vom Bischof der Meru-Diözese, Elias Kitoi Nasari, offiziell eingeweiht. Im Anschluss feierten alle Mitarbeitenden des Nkoaranga-Hospitals gemeinsam bei einem festlichen Essen.

Die Bedeutung dieses Ereignisses sprach sich schnell in der Region herum: Bereits am Folgetag berichteten mehrere Journalisten über die Arbeit des Feuerkinder-Teams in einer Nachrichtensendung sowie in zwei Zeitungen.

Nachhaltige Hilfe mit großer Wirkung

Besonders beeindruckt zeigte sich die Presse von der langjährigen Leistung des Projekts: Seit dem Jahr 2000 wurden nahezu 3.000 Operationen an Kindern und Jugendlichen kostenfrei durchgeführt.

Vorher-Nachher-Bilder verdeutlichen eindrucksvoll den Erfolg der Eingriffe: Schmerzhafte Fehlstellungen wie stark gekrümmte Beine oder Füße können korrigiert werden. Für die betroffenen Kinder bedeutet dies nicht nur körperliche Heilung, sondern auch neue Perspektiven – Zugang zu Bildung und die Chance auf ein selbstbestimmtes Leben.

Auch die Zusammenarbeit mit dem Förderprogramm Klinikpartnerschaften wurde ausdrücklich gewürdigt. Sie ermöglichte inzwischen elf Mitarbeitenden des Nkoaranga Lutheran Hospital Hospitationen in Nürnberger Kliniken.

Sicherer Einsatz unter Pandemiebedingungen

Während des gesamten Einsatzes wurden sowohl Patienten als auch Teammitglieder regelmäßig auf Covid-19 getestet – glücklicherweise ohne einen einzigen positiven Befund.

Am ersten Untersuchungstag stellten sich 111 Patientinnen und Patienten mit ihren Familien vor. In insgesamt elf Operationstagen konnten 68 Eingriffe durchgeführt werden, darunter viele komplexe beidseitige Klumpfußkorrekturen.

Ein starkes interdisziplinäres Team

Das Team setzte sich aus erfahrenen Fachkräften zusammen, darunter:

  • Annemarie Schraml
  • Johannes Hamel
  • Reiner Sievers
  • Klaus Schwendner
  • Gregor Wittmann (Anästhesiepflege)
  • Daniela Klughardt, Simone Uhl und Paula Scharrer (OP-Pflege)
  • sowie Grace Ayoo-Küfner

Als erfahrene Projektmitarbeiterin spielte Grace Ayoo-Küfner eine zentrale Rolle bei Organisation, Patientenbetreuung und Kommunikation vor Ort.

Erstmals dabei war der Hand- und plastische Chirurg Reiner Sievers, der mit seiner Expertise auch bisher unbehandelte Hand- und Sehnenverletzungen erfolgreich versorgen konnte.

Ausbau medizinischer Infrastruktur

Ein wichtiger Fortschritt gelang auch im technischen Bereich: Die Installationsarbeiten an Sauerstoff- und Druckluftversorgung sowie an den Narkosegeräten in allen drei Operationssälen konnten abgeschlossen werden.

Zudem wurden die tansanischen Anästhesisten Emmanuel Zablon und August Mallya im Umgang mit modernen Narkosegeräten geschult.

Ein bewegender Notfall

Ein besonders eindrücklicher Fall ereignete sich am 04. April: Ein neunjähriger Junge wurde nach einem schweren Verkehrsunfall mit lebensbedrohlichen Verletzungen eingeliefert. Während einer komplexen Notoperation musste er zeitweise reanimiert werden.

Die behandelnden Ärzte, Dr. Mollel und Dr. Christian, führten mehrere lebensrettende Eingriffe durch. Trotz zunächst aussichtsloser Situation erholte sich der Junge überraschend schnell und konnte nach zwei Wochen ohne erkennbare Folgeschäden entlassen werden – ein nahezu wunderbarer Verlauf.

Hilfe, die ankommt und bleibt

Viele besonders bedürftige Kinder erhielten erstmals Zugang zu medizinischer Versorgung, finanziert durch eine Stiftung für arme und behinderte Kinder im Westen Tansanias. Zudem wurden Patienten aus dem „Plasterhouse“ in Arusha weiterbehandelt.

Ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit ist die Ausbildung lokaler Fachkräfte:
Peter Makanza hospitierte vor Ort und plant, künftig auch komplexere Eingriffe eigenständig durchzuführen.

Die junge Ärztin Godnester Muungure, die im Rahmen des Projekts ausgebildet wurde, übernimmt bereits eigenständig Operationen sowie die Nachbehandlung der Patienten. Zusätzlich wird sie im Usa River Rehabilitation Center tätig sein und dort unter anderem Achillessehnen-Operationen durchführen.

Gemeinschaft und Begegnung

Ein besonderes Highlight war ein gemeinsamer Abend mit rund 150 Schülerinnen, Schülern und Mitarbeitenden des Rehabilitationszentrums. Mit Musik, Vorträgen und großer Herzlichkeit entstand eine bewegende Atmosphäre des Austauschs und der Dankbarkeit.

Blick in die Zukunft

Aufgrund der großen Nachfrage konnten nicht alle Kinder operiert werden. Ein weiterer Einsatz ist daher bereits für August geplant.

Das Projekt Feuerkinder bedankt sich herzlich bei allen Unterstützerinnen und Unterstützern, deren Engagement diese wichtige Arbeit erst möglich macht. Gleichzeitig bleibt die Hilfe dringend notwendig, um die vielfältigen Herausforderungen im Norden Tansanias weiterhin bewältigen zu können.

Besorgniserregend ist zudem die aktuelle Entwicklung steigender Preise für Lebensmittel und Treibstoff infolge des Ukraine-Krieges. Diese verschärfen die ohnehin angespannte Versorgungslage und erhöhen das Risiko einer schweren Hungerkrise in Ostafrika.

Einweihung OP Trakt in Tansania
Einweihung OP Trakt in Tansania
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Einweihung OP Trakt in Tansania