43. Einsatz in Tansania 2025
25. August 2025Herbst 2025
43. Operationseinsatz im Nkoaranga-Hospital, Tansania
Am 6. August 2025 machte sich das Feuerkinderteam auf den Weg zum 43. Einsatz nach Tansania. Erstmals führte der Flug mit der KLM über eine westliche Route direkt zum Kilimanjaro-Airport.
Am Flughafen wurden wir herzlich von einer Delegation des Nkoaranga Hospital und des Usa River Rehabilitation Center empfangen – wie immer mit handgefertigten Bougainvillea-Blumenketten, die uns das Ankommen erleichterten.
Das Einsatzteam aus Deutschland
- Dr. Rolando Rossi, Anästhesist
- Annemarie Rossi, Intensivschwester
- Dr. Katrin Stanger, Fachärztin für Plastische und Handchirurgie
- Dr. Stephan Oehler, Orthopäde
- Dr. Victor Mendes, Facharzt für Kardiochirurgie
- Marion Belzner, Lehrerin für Pflegeberufe, OP-Schwester
- Karin Apfelthaler-Onyango, OP-Schwester
- Grace Ayoo-Küfner, Krankenschwester
- Judith Kerber, OP-Schwester
- Dr. Annemarie Schraml, Orthopädin und Kinderorthopädin
Eine besondere Konstante ist Schwester Makaaya, die sich längst im Ruhestand befindet – und dennoch seit 25 Jahren keinen Einsatz versäumt. Jeden Morgen begrüßt sie uns mit einem herzlichen „Servus“.
Unersetzlich ist auch Schwester Grace: Sie dokumentiert, legt Gipse an, wechselt Verbände und unterstützt unermüdlich bei der Verständigung mit Patienten und Angehörigen. Oft dolmetscht sie zwischen Team und tansanischem Krankenhauspersonal.
Voruntersuchungen und Patientensituation
Am 7. und 8. August wurden 120 Patientinnen und Patienten voruntersucht. Sie kamen unter anderem aus Usa River, Tanga und Babati und waren durch lokale Helfer hervorragend vorbereitet worden.
Vorgestellt wurden vor allem Kinder und Jugendliche mit schwer deformierten Füßen und ausgeprägten Achsabweichungen der Beine. Noch immer ist es deprimierend, dass solche Behandlungen im Land nur an wenigen Orten und zu für viele unerschwinglichen Kosten möglich sind. Einige Familien nahmen Wege von bis zu 1.000 Kilometern auf sich.
Umso hoffnungsvoller ist die Entwicklung von Dr. Godnester Mungure, die ihre Facharztausbildung in Orthopädie und Kinderorthopädie erfolgreich fortsetzt – ein bedeutender Erfolg unserer langjährigen Bemühungen. Für den Einsatz nahm sie Urlaub, um mit uns zu arbeiten. Nach unserer Abreise operierte sie gemeinsam mit dem tansanischen Team weitere elf Patientinnen und Patienten aus dem Vorjahr und entfernte eingebrachte Metalle.
Unterstützt wurde sie von Dr. Joseph Imani, einem engagierten jungen Arzt, der seit September im Nkoaranga Hospital tätig ist – ein wichtiger Schritt in Richtung Nachhaltigkeit unseres Projekts.
Operative Schwerpunkte
Während des 13-tägigen Einsatzes wurden insgesamt 123 Operationen durchgeführt:
- 55 Patientinnen und Patienten (23 beidseitige Eingriffe)
- 35 Klumpfußoperationen, teils mit bis zu fünf OP-Schritten an einem Fuß
- 12 Achskorrekturen bei O- und X-Beinen
- 45 Metallentfernungen
- 150 ambulante Untersuchungen
- 83 Gipsbehandlungen
An den letzten beiden Tagen wurden bei allen Klumpfuß-Patienten in Kurznarkose die Gipse abgenommen, Kirschner-Drähte entfernt und neue Gipse angelegt.
Diese komplexen Eingriffe waren nur dank sicherer Anästhesie möglich. Dr. Rolando Rossi, Annemarie Rossi sowie die tansanischen Anästhesisten Patrick Mallya und Marco Mushi leisteten hervorragende Arbeit. Zusätzlich schulte Dr. Rossi erneut im Legen eines "Kaudalblocks".
Plastische Chirurgie und besondere Begegnungen
Dr. Katrin Stanger führte anspruchsvolle Narbenkorrekturen nach Verbrennungen durch – sowohl anästhesiologisch als auch operativ herausfordernde Eingriffe. Bereits 2003 war sie als Studentin im Team und begleitete weitere Einsätze in den Jahren 2009 und 2010.
Eine große Unterstützung war unser ehemaliger Patient Peter. Er betreute die Kinder vor und nach den Operationen und half, wo immer er konnte. Seine Mutter reiste 160 Kilometer an, um Dr. Schraml als Dank einen Gockel zu schenken – den sie während der langen Busfahrt unter dem Arm getragen hatte.
Besonders berührte uns ein fünfjähriges Mädchen mit Albinismus, das wegen eines fortgeschrittenen X-Beines operiert wurde. In Tansania benötigen Menschen mit Albinismus noch immer besonderen Schutz. Umso beeindruckender war ihre Offenheit und Lebensfreude.
Ein bewegender Moment war auch der 15-jährige Simon, der aufgrund seiner Arthrogrypose seit dem ersten Lebensjahr in unserer Behandlung ist. Mit speziellem Besteck und einem Tablett aus Deutschland konnte er erstmals selbstständig essen – ein kleiner Schritt mit großer Bedeutung.
Wärme im tansanischen Winter
Es war Winter in Tansania. Nachts sanken die Temperaturen am 1.500 Meter hoch gelegenen Krankenhaus fast bis zum Gefrierpunkt.
Umso größer war die Freude über gestrickte und gehäkelte Mützen, Socken und Decken aus Deutschland. Viele Frauen aus Tirschenreuth, Mitterteich, Freiburg und Erlangen fertigen diese mit großem Engagement. Auch Neugeborene in der neuen Entbindungsstation erhielten kleine Mützen und Söckchen.
Bauliche Fortschritte und nachhaltige Entwicklung
Der Bau der neuen Ambulanz und Notaufnahme schreitet voran. Mit einfachsten Mitteln und der Handarbeit von rund 60 Tagelöhnern wurde die Decke betoniert. Nach Fertigstellung kann bei der Regierung Tansanias die Hochstufung zum District Hospital beantragt werden – ein wichtiger Schritt für bessere finanzielle Rahmenbedingungen und pünktlichere Gehaltszahlungen.
Am vorletzten Tag besuchten wir die G.M. English Medium School, gegründet von Krankenhausverwalter Frank Medarakini und unterstützt durch das Feuerkinderprojekt. Mit großer Begeisterung lernen die Kinder dort Englisch, singen und tanzen. Speisesaal und Küche sind inzwischen fertiggestellt – für viele Kinder ist das Schulessen die einzige Mahlzeit des Tages.
Sehr bewegend war auch das Wiedersehen mit dem emeritierten Bischof Dr. Paolo Akyoo, mit dem wir im Jahr 2000 das Projekt begonnen haben. Er wurde nach einem komplizierten Unterschenkelbruch in Deutschland operiert und fördert unser Projekt seit Beginn mit großem Engagement.
25 Jahre Feuerkinderprojekt
Auch nach 25 Jahren gibt es viel zu tun. Doch wir blicken dankbar zurück: Vielen Kindern und Jugendlichen konnten wir neue Lebensperspektiven eröffnen.
Mehr über unsere Arbeit erzählt das Buch
„AKTION FEUERKINDER – 25 JAHRE EINSATZ FÜR MENSCHEN IN TANSANIA“
Ein afrikanisches Sprichwort sagt:
„Viele kleine Leute an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, können das Gesicht der Welt verändern.“
Dr. Annemarie Schraml