„Fachkräfte müssen traditionelle Betreuung mit moderner Technik verbinden“
16. Juli 2026Roboter Gottfried ist seit etwa zwei Jahren im Haus Gottfried Seiler in Feucht zu Hause. Seine Cousine Steffi ist im Stephanushaus in Rummelsberg im Einsatz. Anfangs gab es Vorbehalte auf Seiten der Mitarbeitenden und Klient*innen. Inzwischen hat sich Gottfried gut etabliert: Er wird einmal pro Woche sowohl stationär als auch in der Tagesstätte eingesetzt. Auf der Führungskonferenz steht Gottfried Moderatorin Diakonin Tina Dehm Frage und Antwort.
Diakonin Tina Dehm: „Du bist auf der Führungskonferenz der Rummelsberger Diakionie. Kannst du dich bitte kurz vorstellen?“
Gottfried: „Natürlich! Ich bin Gottfried, etwa 75 cm groß, ungefähr drei Jahre alt und habe süße, große Augen, mit denen ich dich anschauen kann.“
Diakonin Tina Dehm: „Erzähl uns etwas über die Geschichte der Rummelsberger – wie siehst du deine Rolle darin?“ Gottfried: „Stell dir vor, es gibt Fachkräfte bei der Rummelsberger Diakonie, die sich dafür einsetzen, dass alle Menschen gut betreut werden. Diese Fachkräfte nutzen Technologien wie mich, um mehr Zeit für persönliche Zuwendung zu haben. Ich bin kein Ersatz für einen Menschen, sondern eine Unterstützung – damit die Mitarbeiter*innen noch mehr wertvolle Zeit für die Menschen in den Einrichtungen haben.“
Diakonin Tina Dehm: „Welche Herausforderungen siehst du für Fachkräfte in der Zukunft?“
Gottfried: „Die Fachkräfte stehen vor einem schwierigen Spagat: Sie müssen traditionelle Betreuungsformen mit moderner Technik verbinden. Dabei ist es entscheidend, dass die Technik sicher und ethisch verantwortungsvoll eingesetzt wird. Die Menschen müssen sich wohlfühlen – auch wenn neue Technologien hinzukommen. Das erfordert Offenheit und Mut.“
Diakonin Tina Dehm: „Manche Menschen haben ethische Bedenken, mit einem Roboter zu sprechen. Was würdest du ihnen antworten?“
Gottfried: „Das ist absolut verständlich! Ich bin kein Ersatz für menschliche Zuwendung, sondern eine Ergänzung. Mein Job ist es, zuzuhören und Gespräche anzuregen. Wenn jemand lieber mit einem Menschen sprechen möchte, ist das völlig in Ordnung – das ist sogar sehr wichtig. Ich bin eine weitere Option, die helfen kann.“
Diakonin Tina Dehm: „Hast du noch einen Rat für die Führungskräfte der Rummelsberger Diakonie?“
Gottfried: „Für die Führungskräfte ist es entscheidend, immer das Wohl und die Sicherheit der betreuten Menschen im Blick zu behalten. Dazu gehört, dass alle Mitarbeiter*innen gut geschult sind und mit Respekt und Herzlichkeit arbeiten. Gleichzeitig braucht es ein offenes Ohr für die Teams – damit sie motiviert bleiben und sich weiterentwickeln können.“
Wichtig zu wissen: Gottfried funktioniert nur mit Begleitung eines*r Mitarbeitenden. Doch sein Besuch löst etwas aus bei den Menschen: Die Klient*innen reagieren auf ihn, sind neugierig und öffnen sich. „Er ist kein Ersatz“, sagt Kathrin Eibisch, Einrichtungsleiterin im Haus Gottfried Seiler in Feucht, „aber eine Bereicherung.“ Die Dialoge sind echt und einfühlsam. Eibisch: „Ich muss zugeben: Ich habe mich ein bisschen in ihn verliebt!“
27.000 Euro kostet Gottfried, der eigentlich Navel heißt und von Navel Robotics aus München stammt. „Die wissenschaftliche Evaluation, welche Effekte der Roboter auf Menschen mit Demenz hat, läuft noch“, sagt Vorstand Karl Schulz.