Spenden für therapeutisches Reiten
02. April 2026Altdorf – Sophia strahlt, während sie mit ihrer Hand über Ruperts weiß-schwarzes Fell streicht. Ein Moment, der zeigt, wie therapeutisches Reiten wirkt – ganz ohne, dass es sich wie Therapie fühlt. Die neunjährige Sophia hat Probleme mit der Hand. Doch wenn es um die Fellpflege des Wallachs geht, ist die Einschränkung wie aus dem Sinn.
Der Therapiehof Leila der Rummelsberger Diakonie in Altdorf ermöglicht genau solche Erlebnisse: Hier erfahren Kinder und Erwachsene mit Behinderungen oder schweren Erkrankungen durch den Kontakt mit Pferden neue Wege der Förderung. Zwei Stiftungen haben den Hof mit einer Spende von insgesamt 21.379 Euro unterstützt – ein wichtiger Beitrag, um die Arbeit fortzuführen.
Pferde als Therapeut*innen
„Sophia trägt normalerweise eine Handschiene – ihre Handfunktion ist eingeschränkt und bleibt es auch. Doch beim Striegeln von Rupert setzt sie die Hand ganz unbewusst ein und nutzt sie mehr als sonst. Pferde schaffen eine besondere Verbindung – und genau das macht den Unterschied", erzählt Sandra Uhl, Leiterin des Therapiehofs Leila. Seit 2012 bietet der Hof therapeutisches Reiten, genauer gesagt Reittherapie und Hippotherapie, an. Dies wird von den Klient*innen in der Regel nicht als „Therapie", sondern als tolles Erlebnis wahrgenommen.
Von den elf Pferden auf dem Therapiehof gehören sechs dem Wichernhaus, drei weitere werden von Privatpersonen zur Verfügung gestellt. Das Wohlbefinden der Pferde hat dabei immer oberste Priorität – ihre Bedürfnisse und ausreichend Erholung sind fester Bestandteil auf dem Hof.
„Pferde schenken Vertrauen“
Therapiepferde müssen Geräusche tolerieren, ruhig stehen und durch gezieltes Muskeltraining die Bewegungen der teilweise bewegungseingeschränkten Reiter*innen ausgleichen. „Pferde sind Fluchttiere, aber hier lernen sie, Vertrauen zu schenken – und das geben sie an die Menschen weiter", erklärt Uhl.
Fünf Fachkräfte, fünf Therapeut*innen und Ehrenamtliche begleiten die Klient*innen – bei Wind und Wetter, mit viel Herzblut. Bis zu 60 Kinder und Erwachsene profitieren pro Woche von Einzel- und Gruppentherapien. Ein prägendes Erlebnis war für Sandra Uhl ein Mädchen mit Hirntumor. Sie kam bis zu ihrem Tod regelmäßig zu uns auf den Hof. Ihr Therapiepferd hat ihr Freude und Halt gegeben. „Die Eltern waren unendlich dankbar für die Zeit und die glücklichen Momente, die sie hier verbringen konnte."
Stiftungen verringern Finanzierungslücke
Die Spende setzt sich zusammen aus 14.557 Euro der Lotte Schopper Stiftung und 6.822 Euro weiterer Stiftungen, die im Rummelsberger Stiftungszentrum verwaltet werden. „Der Löwenanteil kommt von der Lotte Schopper Stiftung, die sich zum Ziel gesetzt hat, Menschen mit Behinderungen zu unterstützen, die aufgrund von neurologischen Erkrankungen an Behinderungen leiden", sagt Diakon Mathias Kippenberg, Leiter des Rummelsberger Stiftungszentrums. Die Mittel helfen, die laufenden Kosten zu decken, denn trotz hoher Nachfrage bleibt eine Finanzierungslücke von rund 30.000 Euro pro Jahr.
Der Therapiehof Leila ist mehr als ein Reitstall: Er ist ein Ort, an dem Kinder wie Sophia spüren, was sie können – nicht, was sie nicht können. Wo Hospiz-Kinder bis zuletzt Lebensfreude erfahren. Und wo Stiftungen wie die Lotte Schopper Stiftung mit ihrer Förderung genau dort ansetzen, wo Hilfe am dringendsten gebraucht wird.
Der Therapiehof Leila gehört zum Wichernhaus in Altdorf und damit zu den Rummelsberger Diensten für Menschen mit Behinderung (RDB). Die RDB ist eine gemeinnützige Gesellschaft mbH und gehört zur Rummelsberger Diakonie e.V. Unter dem Dach der RDB sind stationäre und ambulante Angebote für Menschen mit Behinderung zusammengefasst. Rund 3.500 Klient*innen nehmen die Dienstleistungen von mehr als 2.500 Mitarbeitenden in Anspruch.
Weitere Infos:
Der Therapiehof Leila bietet Tierpatenschaften an. Jetzt mitmachen und Kinder wie Sophia unterstützen: https://7werke.de/leila