Wie sich die Rummelsberger Diakonie zukunftsfest aufstellt

16. Juli 2026

Die Führungskonferenz bot spannende Einblicke in aktuelle Herausforderungen und strategische Weichenstellungen: So gaben Karl Schulz und Dr. Tobias Gaydoul Einblicke in die Themen „Führung und Transformation“ sowie „Digitalisierung und Fachsoftware“. Beide betonten die Notwendigkeit, in stürmischen Zeiten Kurs zu halten und mit Mut, Zuversicht und klarer Haltung die Zukunft aktiv zu gestalten.

Transformation als Chance: Klare Haltung und strategische Säulen

„Transformation ist unvermeidbar“, so Karl Schulz. Die Rummelsberger Diakonie steht vor einem strukturellen Wandel, geprägt von demografischem Wandel, zunehmendem Finanzdruck und politischen Reformdebatten. Schulz betonte: „Wir müssen in den nächsten Jahren mit erheblichen Einsparungsbemühungen in unseren Hilfebereichen rechnen.“ Die Frage sei, wie wir vorausschauend mit diesen bevorstehenden Herausforderungen umgehen. 

Doch statt Resignation forderte er eine zuversichtliche Führung, die trotz Unsicherheit Entscheidungen trifft und ein positives Zielbild entwirft. „Zuversicht ist eine aktive Ressource – sie entsteht, wenn wir Einfluss nehmen und gestalten.“

Die Rummelsberger Diakonie setze dabei auf acht strategische Säulen, die Stabilität und Zukunftsfähigkeit sichern sollen:

  1. Diversifikation: Das Leistungsportfolio wurde in den letzten 15 Jahren stark erweitert – von stationären Angeboten hin zu flexiblen, bedarfsorientierten Lösungen. Die vier Handlungsfelder sind wirtschaftlich solide aufgestellt und erhöhen die Widerstandsfähigkeit der Organisation. 
  2. Refinanzierung: Trotz geforderter „Nullrunden“ und steigendem Kostendruck gehen die Entgeltteams selbstbewusst und sehr gut vorbereitet in die aktuellen Verhandlungen. Als großer, wirtschaftlich resilienter Träger verfügen wir über ausreichend Ausdauer und Schlagkraft.
  3. Konsolidierung: Nicht alle bestehenden Angebote werden dauerhaft haltbar sein. Wo fachliche Mindeststandards aufgrund der Vorgaben nicht mehr gesichert werden können, geben wir den Versorgungsauftrag an die öffentliche Hand zurück. 
  4. Wachstum und Investitionen: Trotz wirtschaftlicher Herausforderungen investiert die Rummelsberger Diakonie gezielt in die Zukunft. Das zeigen beispielsweise die aktuell laufenden Bauprojekte, mit denen wir unsere Standorte gezielt und langfristig weiterentwickeln.
  5. Personal: Eine starke Unternehmenskultur ist entscheidend. Initiativen wie „People and Culture“ oder die neue Personalkampagne zeigten Wirkung: Die Quote offener Stellen liege aktuell bei nur etwa zwei Prozent.
  6. Digitalisierung: Investitionen in digitale Infrastruktur sind essenziell, auch wenn sie aktuell nicht refinanziert werden. Sie helfen bei der Strukturierung und Optimierung von Prozessen, verringern manuelle Tätigkeiten und standardisieren Abläufe in den Einrichtungen. 
  7. Bürokratieabbau: Durch Initiativen wie den Brüsseler Kreis bündeln wir die Schlagkraft mit anderen großen sozialen Trägern, um mit konstruktiven Vorschlägen auf die Entscheider in Politik und Gesellschaft zuzugehen. Gleiches gilt für die Landes-, Bezirks- und kommunale Ebene. 
  8. Politische Verantwortung: Die Rummelsberger Diakonie bringt sich auf verschiedensten Ebenen aktiv in Fachausschüsse und bundespolitische Debatten ein, um verlässliche Rahmenbedingungen für die Daseinsvorsorge zu fordern.

Digitalisierung als Schlüssel: Einheitliche Fachsoftware für die Zukunft

Dr. Tobias Gaydoul skizzierte die dringende Notwendigkeit, die IT-Landschaft der Rummelsberger zukunftsfest zu machen. Aktuell bestehe die digitale Infrastruktur aus über 100 separaten Softwarelösungen und Programmen. Die Pflege dieser heterogenen Landschaft sowie der verschiedensten Schnittstellen und Versionsstände erzeugen unnötige Komplexität und binden entsprechend Ressourcen, die für unsere Kernprozesse fehlen. . 

Drei zentrale Thesen prägten seinen Vortrag:

  1. Effizienz statt Gewinnmaximierung: Es geht in Zukunft noch stärker um den gezielten Einsatz von Ressourcen. „Wir haben aktuell zu viele manuelle Prozesse, die uns Zeit und Geld kosten – Zeit, die wir besser in die Arbeit mit Klient*innen investieren könnten.“
  2. Einheitliche Datengrundlage: Aktuell arbeiten die verschiedenen Handlungsfelder mit unterschiedlichen Systemen, was ineffiziente Doppelarbeit verursacht. „Wir brauchen eine Fachsoftware, die den gesamten Lebenszyklus eines Klienten abbildet – von der Aufnahme bis zum Verlassen unserer Einrichtungen.“
  3. Veränderung der Arbeitskultur: Digitalisierung bedeutet auch, Arbeitsabläufe zu hinterfragen und neu zu denken. Was auch eine große Chance bedeutet. „Wir haben jetzt die Möglichkeit, unsere Prozesse sauber aufzusetzen und über verschiedene Einrichtungen hinweg optimal zu designen. Diese Chance kommt so schnell nicht wieder!“ Schließlich müsse heutzutage jeder Mitarbeitende einen Teil seiner Arbeitszeit am Rechner verbringen, auch wenn er direkt mit den Klient*innen arbeite. Dokumentation, Abrechnung und andere operative Aufgaben müssten in Zukunft deutlich effizienter gestaltet werden. 

Geplant sei, die tägliche Arbeit auf allen Ebenen flexibel, kollaborativ und mit Fokus auf die Kernaufgaben der Organisation auszurichten. 

Dazu laufen drei Projekte für den Arbeitsplatz der Zukunft:

  1. Einführung von SAP S/4 HANA: Die Migration auf die neue SAP-Plattform ist bereits in der Umsetzung. Sie bildet die künftige Grundlage für eine schnelle  Entscheidungsfindung, strukturierte Unternehmensplanung, effiziente Personalverwaltung sowie alle kaufmännischen Aufgaben.
  2. Einführung von Connext Vivendi: Die neue Fachsoftware für alle Handlungsfelder ist die Voraussetzung für einfacheres und effizienteres Arbeiten in den Einrichtungen vor Ort. Sie ersetzt das organisch gewachsene Konstrukt an unterschiedlichen Softwarelösungen, welche in der Praxis Ressourcen fressen, beispielsweise durch manuelle Mehrfacheingaben der gleichen Daten sowie durch Systembrüche im Prozess. 
  3. Kollaboratives Arbeiten: Durch eine gemeinsame und teamübergreifende Arbeit an Projekten wird der Abstimmungsaufwand zwischen den verschiedenen Ebenen der Verwaltung, Handlungsfelder und Einrichtungen deutlich reduziert.

Die Einführung von Connext Vivendi als Fachsoftware für alle Handlungsfelder wird das umfassendste IT-Projekt der Rummelsberger Diakonie. Die Lösung wird ab 2027 schrittweise eingeführt und soll bis spätestens 2030 abgeschlossen sein. „Das ist eine Gemeinschaftsaufgabe für das gesamte Unternehmen“, betonte Gaydoul. 

Fazit: Hausaufgaben jetzt machen – für eine sichere Zukunft

„Wir werden nie wieder so viel Geld haben wie jetzt“, beschrieb Gaydoul die aktuelle Situation. Man müsse jetzt seine Hausaufgaben machen, um in Zukunft bestehen zu können. Doch das Unternehmen ist gut aufgestellt: Wirtschaftlich stabil, mit klaren Werten und einer Kultur der Zuversicht. Die Botschaft der Vorstände an die Führungskräfte war eindeutig: „Gehen Sie mit Zuversicht voran und nehmen Sie Ihre Kolleg*innen auf diesem Weg mit!“ 

  • Karl Schulz
    Karl Schulz
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    Lisa Vogel
  • Dr. Tobias Gaydoul
    Dr. Tobias Gaydoul
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    Lisa Vogel